DREIZEHNTES KAPITEL: Natur, Genießer und Bewußtsein

Bg 13.1–2

arjuna uvāca
prakṛtiṁ puruṣaṁ caiva
kṣetraṁ kṣetra-jñam eva ca
etad veditum icchāmi
jñānaṁ jñeyaṁ ca keśava
śrī-bhagavān uvāca
idaṁ śarīraṁ kaunteya
kṣetram ity abhidhīyate
etad yo vetti taṁ prāhuḥ
kṣetra-jña iti tad-vidaḥ
Synonyms: 
arjunaḥ uvāca — Arjuna sagte; prakṛtim — Natur; puruṣam — der Genießer; ca — auch; eva — gewiß; kṣetram — das Feld; kṣetra-jñam — der Kenner des Feldes; eva — gewiß; ca — auch; etat — dies alles; veditum — zu verstehen; icchāmi — ich wünsche; jñānam — Wissen; jñeyam — den Gegenstand des Wissens; ca — auch; keśava — o Kṛṣṇa; śrī-bhagavān uvāca — die Persönlichkeit Gottes sprach; idam — dieser; śarīram — Körper; kaunteya — o Sohn Kuntīs; kṣetram — das Feld; iti — so; abhidhīyate — wird genannt; etat — dies; yaḥ — jemand, der; vetti — kennt; tam — er; prāhuḥ — wird genannt; kṣetra-jñaḥ — der Kenner des Feldes; iti — so; tat-vidaḥ — von denen, die dies wissen.
Translation: 
Arjuna sagte: O mein lieber Kṛṣṇa, ich möchte wissen, was prakṛti [Natur] und puruṣa [der Genießer], was das Feld und der Kenner des Feldes, was Wissen und der Gegenstand des Wissens ist.
Die Höchste Persönlichkeit Gottes sprach: Der Körper, o Sohn Kuntīs, wird als das Feld bezeichnet, und derjenige, der den Körper kennt, wird als der Kenner des Feldes bezeichnet.
Purport: 

ERLÄUTERUNG: Arjuna wollte wissen, was prakṛti (die Natur), puruṣa (der Genießer), kṣetra (das Feld), kṣetra-jña (der Kenner des Feldes), Wissen und der Gegenstand des Wissens ist. Als Antwort auf diese Fragen erklärte Kṛṣṇa, der Körper sei das „Feld“ und derjenige, der den Körper kenne, sei der „Kenner des Feldes“. Der Körper ist das Tätigkeitsfeld der bedingten Seele. Die bedingte Seele ist im materiellen Dasein gefangen, und sie versucht, sich die materielle Natur untertan zu machen. Und so bekommt die bedingte Seele entsprechend ihrer Fähigkeit, die materielle Natur zu beherrschen, ein bestimmtes Tätigkeitsfeld. Dieses Tätigkeitsfeld ist der Körper. Und was ist der Körper? Der Körper besteht aus Sinnen. Die bedingte Seele möchte die Befriedigung dieser Sinne genießen, und je nach ihrem Vermögen, die Sinne zu genießen, wird ihr ein Körper oder Tätigkeitsfeld gegeben. Deshalb nennt man den Körper kṣetra oder das Tätigkeitsfeld der bedingten Seele. Jemand nun, der sich nicht mit dem Körper identifizieren sollte, nennt man kṣetra-jña, den Kenner des Feldes. Es ist nicht sehr schwierig, den Unterschied zwischen dem Feld und seinem Kenner, das heißt zwischen dem Körper und dem Kenner des Körpers, zu verstehen. Jeder kann einsehen, daß er von der Kindheit bis zum Alter fortwährend körperlichen Wandlungen unterworfen ist und dennoch die gleiche Person bleibt. Es besteht also ein Unterschied zwischen dem Kenner des Tätigkeitsfeldes und dem Tätigkeitsfeld an sich. Auf diese Weise kann die bedingte Seele verstehen, daß sie vom Körper verschieden ist. Wie zu Beginn erklärt wurde (dehino ’smin), befindet sich das Lebewesen im Körper, und der Körper verändert sich von Kindheit zu Knabenzeit, von Knabenzeit zu Jugend und von Jugend zu Alter, und die Person, die den Körper besitzt, weiß, daß sich der Körper verändert. Der Eigentümer des Körpers ist eindeutig kṣetra-jña. Manchmal denkt das Lebewesen: „Ich bin glücklich“, „ich bin ein Mann“, „ich bin eine Frau“, „ich bin ein Hund“ oder „ich bin eine Katze.“ Dies sind alles körperliche Bezeichnungen, mit denen sich der Kenner des Körpers identifiziert. Der Kenner jedoch ist verschieden vom Körper. Obwohl wir viele Gegenstände gebrauchen, wie zum Beispiel unsere Kleider, wissen wir, daß wir von diesen Dingen verschieden sind. Ebenso können wir mit ein wenig Überlegung auch verstehen, daß wir vom Körper verschieden sind. Ich und Sie und jeder andere, der einen Körper besitzt – jeder wird kṣetra- jña, Kenner des Tätigkeitsfeldes, genannt, und der Körper selbst wird kṣetra, Tätigkeitsfeld, genannt.

Die ersten sechs Kapitel der Bhagavad-gītā beschreiben den Kenner des Körpers, (das Lebewesen) und die Voraussetzungen, unter denen es den Höchsten Herrn verstehen kann. Die mittleren sechs Kapitel der Bhagavad-gītā beschreiben die Höchste Persönlichkeit Gottes und die Beziehung zwischen der individuellen Seele und der Überseele im Zusammenhang mit dem hingebungsvollen Dienst. Diese Kapitel geben eine eindeutige Definition der übergeordneten Stellung der Höchsten Persönlichkeit Gottes und der untergeordneten Stellung der individuellen Seele. Die Lebewesen befinden sich unter allen Umständen in einer untergeordneten Stellung, doch weil sie diese Tatsache vergessen haben, leiden sie. Wenn sie durch fromme Tätigkeiten geläutert sind, wenden sie sich, entsprechend ihrer Stufe, dem Herrn zu: wenn sie leiden, wenn sie Geld benötigen, aus Neugier oder wenn sie nach Wissen suchen. Dies wurde bereits beschrieben. Vom Dreizehnten Kapitel an wird nun erklärt, wie das Lebewesen mit der materiellen Natur in Berührung kommt und durch welche Vorgänge – fruchtbringende Tätigkeiten, Entwicklung von Wissen und Ausführung von hingebungsvollem Dienst – es vom Höchsten Herrn befreit wird. Ebenso wird beschrieben, wie das Lebewesen, obwohl vom materiellen Körper völlig verschieden, dennoch irgendwie an diesen gebunden wird.

Bg 13.3

kṣetra-jñaṁ cāpi māṁ viddhi
sarva-kṣetreṣu bhārata
kṣetra-kṣetrajñayor jñānaṁ
yat taj jñānaṁ mataṁ mama
Synonyms: 
kṣetra-jñam — den Kenner des Feldes; ca — ebenfalls; api — gewiß; mām — Mich; viddhi — wisse; sarva — allen; kṣetreṣu — in körperlichen Feldern; bhārata — o Nachkomme Bharatas; kṣetra — das Tätigkeitsfeld (der Körper); kṣetra-jñayoḥ — und den Kenner des Feldes; jñānam — Wissen über; yat — das, was; tat — dies; jñānam — Wissen; matam — Ansicht; mama — Meine.
Translation: 
O Nachkomme Bharatas, du solltest verstehen, daß Ich ebenfalls der Kenner in allen Körpern bin, und den Körper und seinen Besitzer zu kennen wird als Wissen bezeichnet. Das ist Meine Ansicht.
Purport: 

ERLÄUTERUNG: Die Frage in bezug auf den Körper und den Kenner des Körpers, das heißt die Seele und die Überseele, bringt drei Hauptthemen mit sich: der Herr, das Lebewesen und die Materie. In jedem Tätigkeitsfeld, das heißt in jedem Körper, gibt es zwei Seelen: die individuelle Seele und die Überseele. Die Überseele ist eine vollständige Erweiterung der Höchsten Persönlichkeit Gottes, Kṛṣṇa, und deshalb sagt Kṛṣṇa hier: „Ich bin auch der Kenner des Körpers, aber Ich bin nicht der individuelle Kenner. Ich bin der höchste Kenner. Ich bin in jedem Körper als Paramātmā, als Überseele, gegenwärtig.“

Wenn man das Thema des Tätigkeitsfeldes und des Kenners des Feldes eingehend studiert, so wie es in der Bhagavad-gītā beschrieben wird, kann man Wissen erlangen.

Der Herr sagt: „Ich bin der Kenner des Tätigkeitsfeldes in jedem individuellen Körper.“ Das Individuum ist der Kenner seines eigenen Körpers, aber es ist sich nicht anderer Körper bewußt. Die Höchste Persönlichkeit Gottes, die als Überseele in allen Körpern anwesend ist, weiß alles über alle Körper. Sie kennt alle Körper in allen verschiedenen Lebensformen. Ein Bürger kennt vielleicht sein eigenes Stück Land, doch der König kennt nicht nur seinen Palast, sondern auch alle Ländereien, die die einzelnen Bürger besitzen. Ebenso kann man sich individuell als Besitzer des Körpers bezeichnen, doch der Höchste Herr ist der Besitzer aller Körper. Der König ist der ursprüngliche Besitzer des Königreiches, und der Bürger ist der abhängige Besitzer. Ebenso ist der Höchste Herr der höchste Besitzer aller Körper.

Der Körper besteht aus Sinnen. Der Höchste Herr ist Hṛṣīkeśa, „der Lenker der Sinne“. Er ist der ursprüngliche Lenker der Sinne, genau wie der König der ursprüngliche Lenker aller Tätigkeiten im Staate ist; die Bürger sind untergeordnete Lenker. Wenn der Herr sagt: „Ich bin ebenfalls der Kenner“, so meint Er damit, daß Er der höchste Kenner ist – im Gegensatz zur individuellen Seele, die nur ihren eigenen Körper kennt. In den vedischen Schriften heißt es in diesem Zusammenhang:

kṣetrāṇi hi śarīrāṇi
bījaṁ cāpi śubhāśubhe
tāni vetti sa yogātmā
tataḥ kṣetra-jña ucyate

Der Körper wird kṣetra genannt, und in ihm befinden sich der Besitzer des Körpers und der Höchste Herr, der sowohl den Körper als auch den Besitzer des Körpers kennt. Deshalb ist Er der Kenner aller Felder. Der Unterschied zwischen dem Tätigkeitsfeld, dem Kenner der Tätigkeiten und dem höchsten Kenner der Tätigkeiten wird im folgenden beschrieben. Vollkommenes Wissen von der Beschaffenheit des Körpers, der Beschaffenheit der individuellen Seele und der Beschaffenheit der Überseele wird in den vedischen Schriften als jñāna bezeichnet. Das ist Kṛṣṇas Ansicht. Zu verstehen, daß die Seele und die Überseele eins und doch verschieden sind, ist Wissen. Wer das Tätigkeitsfeld und den Kenner der Tätigkeit nicht versteht, verfügt nicht über vollkommenes Wissen. Man muß die Stellung von prakṛti (der Natur), puruṣa (dem Genießer der Natur) und īśvara (dem Kenner, der sowohl die Natur als auch die individuelle Seele beherrscht und lenkt) verstehen. Man darf diese drei in ihren verschiedenen Eigenschaften und Funktionen nicht miteinander verwechseln, ebenso wie man auch den Maler, das Gemälde und die Staffelei nicht miteinander verwechseln darf. Die materielle Welt, die das Feld der Tätigkeiten ist, ist die Natur, und der Genießer der Natur ist das Lebewesen, und über beiden steht der höchste Herrscher, die Persönlichkeit Gottes. In den vedischen Schriften (Śvetāśvatara Upaniṣad 1.12) heißt es: bhoktā bhogyaṁ preritāraṁ ca matvā/ sarvaṁ proktaṁ tri-vidhaṁ brahmam etat. Es gibt drei Auffassungen vom Brahman: prakṛti ist Brahman als das Feld der Tätigkeiten; auch der jīva (die individuelle Seele) ist Brahman, und er versucht, die materielle Natur zu beherrschen, und der Beherrscher von beiden ist ebenfalls Brahman, aber Er ist der wirkliche Herrscher.

In diesem Kapitel wird auch erklärt, daß einer dieser beiden Kenner fehlbar ist und der andere unfehlbar. Der eine ist übergeordnet, und der andere ist untergeordnet. Wer glaubt, die beiden Kenner des Feldes seien ein und dasselbe, widerspricht der Höchsten Persönlichkeit Gottes, die hier unmißverständlich sagt: „Ich bin ebenfalls der Kenner des Tätigkeitsfeldes.“ Wer ein Seil fälschlich für eine Schlange hält, hat kein Wissen. Es gibt verschiedenste Arten von Körpern, und in jedem Körper gibt es verschiedene Besitzer. Weil jede individuelle Seele eine individuelle Fähigkeit hat, über die materielle Natur zu herrschen, gibt es unterschiedliche Körper. Aber in jedem Körper ist auch der Höchste als der Lenker gegenwärtig. Das Wort ca ist hier von Bedeutung, da es auf die Gesamtheit aller Körper hinweist. Das ist die Ansicht von Śrīla Baladeva Vidyābhūṣaṇa. Kṛṣṇa ist die Überseele, die Sich in jedem einzelnen Körper neben der individuellen Seele befindet. Und Kṛṣṇa sagt hier ausdrücklich, wirkliches Wissen bedeute zu verstehen, daß die Überseele sowohl das Tätigkeitsfeld als auch den begrenzten Genießer lenkt.

Bg 13.4

tat kṣetraṁ yac ca yādṛk ca
yad-vikāri yataś ca yat
sa ca yo yat-prabhāvaś ca
tat samāsena me śṛṇu
Synonyms: 
tat — dieses; kṣetram — Feld der Tätigkeiten; yat — was; ca — auch; yādṛk — wie es ist; ca — auch; yat — was sind; vikāri — Veränderungen; yataḥ — von wo; ca — auch; yat — was; saḥ — er; ca — auch; yaḥ — der; yat — was ist; prabhāvaḥ — Einfluß; ca — auch; tat — dies; samāsena — zusammengefaßt; me — von Mir; śṛṇu — höre.
Translation: 
Höre nun bitte Meine kurze Beschreibung dieses Tätigkeitsfeldes, wie es beschaffen ist, welches seine Veränderungen sind, wodurch es verursacht wird, wer der Kenner des Tätigkeitsfeldes ist und was seine Einflüsse sind.
Purport: 

ERLÄUTERUNG: Der Herr beschreibt nun das Tätigkeitsfeld und den Kenner des Tätigkeitsfeldes sowie ihre gegenseitige Beziehung. Man muß wissen, wie der Körper beschaffen ist, aus welchen materiellen Elementen der Körper besteht, unter wessen Lenkung der Körper tätig ist, wie die Veränderungen stattfinden, woher diese Veränderungen kommen, was die Ursachen und was die Gründe sind, was das endgültige Ziel der individuellen Seele ist und was die wahre Gestalt der individuellen Seele ist. Man sollte ebenfalls wissen, was der Unterschied zwischen der individuellen spirituellen Seele und der Überseele ist, was ihre Einflüsse und ihre Kräfte sind, usw. Wenn man die Bhagavad-gītā einfach direkt so annimmt, wie sie von der Höchsten Persönlichkeit Gottes erklärt wird, werden all diese Fragen geklärt sein. Man sollte sich jedoch davor hüten, zu glauben, die Höchste Persönlichkeit Gottes in jedem Körper sei mit der individuellen Seele, dem jīva, identisch. Das würde bedeuten, den Mächtigen mit dem Machtlosen gleichzusetzen.

Bg 13.5

ṛṣibhir bahudhā gītaṁ
chandobhir vividhaiḥ pṛthak
brahma-sūtra-padaiś caiva
hetumadbhir viniścitaiḥ
Synonyms: 
ṛṣibhiḥ — von den großen Weisen; bahudhā — auf vielfache Weise; gītam — beschrieben; chandobhiḥ — in vedischen Hymnen; vividhaiḥ — verschiedene; pṛthak — auf unterschiedliche Weise; brahma-sūtra — des Vedānta; padaiḥ — durch die Aphorismen; ca — auch; eva — gewiß; hetu-madbhiḥ — mit Ursache und Wirkung; viniścitaiḥ — bestimmt.
Translation: 
Dieses Wissen über das Tätigkeitsfeld und den Kenner der Tätigkeiten wird von verschiedenen Weisen in verschiedenen vedischen Schriften beschrieben. Es wird insbesondere im Vedānta-sūtra erklärt, mit aller Beweisführung in bezug auf Ursache und Wirkung.
Purport: 

ERLÄUTERUNG: Die Höchste Persönlichkeit Gottes, Kṛṣṇa, ist die höchste Autorität, um dieses Wissen zu erklären. Aber selbst wenn man ein großer Gelehrter oder eine maßgebende Autorität ist, ist es die Regel, daß man immer vorangegangene Autoritäten als Beweis anführt. Kṛṣṇa erklärt deshalb diesen äußerst umstrittenen Punkt – die Dualität und Nichtdualität der Seele und der Überseele – , indem Er Sich auf Schriften wie den Vedānta bezieht, der als Autorität anerkannt wird. Als erstes sagt Er: „Dies wird von verschiedenen Weisen beschrieben.“ Was die Weisen betrifft, so ist neben Kṛṣṇa Selbst auch Vyāsadeva (der Verfasser des Vedānta-sūtra) ein großer Weiser, und in diesem Vedānta-sūtra wird die Dualität auf vollkommene Weise erklärt. Auch Vyāsadevas Vater, Parāśara, ist ein großer Weiser, und er schreibt in einem seiner Bücher über Religion: ahaṁ tvaṁ ca tathānye… „Wir – du, ich und alle anderen Lebewesen – sind alle transzendental, obwohl wir uns in materiellen Körpern befinden. Jetzt sind wir, gemäß unserem karma, unter den Einfluß der drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur gefallen, und so befinden sich einige auf höheren Ebenen und andere auf niederen. Die höheren und niederen Stellungen existieren aufgrund von Unwissenheit und werden in einer unbegrenzten Anzahl von Lebewesen sichtbar. Die Überseele jedoch, die unfehlbar ist, wird niemals von den drei Eigenschaften der Natur verunreinigt – Sie ist transzendental.“ Ebenso wird auch in den ursprünglichen Veden, vor allem in der Kaṭha Upaniṣad, zwischen der Seele, der Überseele und dem Körper eine klare Unterscheidung gemacht. Es gibt viele große Weise, die dies erklärt haben, und unter ihnen gilt Parāśara als der größte.

Das Wort chandobhiḥ bezieht sich auf verschiedene vedische Schriften. So wird zum Beispiel in der Taittirīya Upaniṣad, die ein Zweig des Yajur Veda ist, ebenfalls die materielle Natur, das Lebewesen und die Höchste Persönlichkeit Gottes beschrieben.

Wie bereits erklärt wurde, ist kṣetra das Tätigkeitsfeld, und es gibt zwei Arten von kṣetra-jña: das individuelle Lebewesen und das höchste Lebewesen. In der Taittirīya Upaniṣad (2.5) heißt es: brahma pucchaṁ pratiṣṭhā. Die Energie des Höchsten Herrn wirkt auf verschiedene Weise, und ein Aspekt wird anna-maya genannt, die Abhängigkeit des Lebewesens von Nahrung, um existieren zu können. Dies ist eine materialistische Erkenntnis des Höchsten. Die nächste Stufe über der Erkenntnis der Höchsten Absoluten Wahrheit in Form von Nahrung wird prāṇa-maya genannt, wo man die Absolute Wahrheit in den Lebenssymptomen oder Lebensformen erkennen kann. Jñāna-maya bezieht sich auf die Stufe, wo sich die Erkenntnis des Absoluten über die Lebenssymptome hinaus auf die Ebene von Denken, Fühlen und Wollen erhebt. Danach folgt die Ebene der Brahman-Verwirklichung, vijñāna-maya genannt, wo der Verstand und die Lebensmerkmale des Lebewesens vom Lebewesen selbst unterschieden werden. Die nächste und höchste Stufe ist ānanda-maya, die Erkenntnis der allglückseligen Natur. Somit gibt es fünf Stufen der Brahman-Erkenntnis, die man brahma puccham nennt. Von diesen fünf Stufen beziehen sich die ersten drei – anna-maya, prāṇa-maya und jñāna-maya – auf das Tätigkeitsfeld der Lebewesen. In transzendentaler Stellung zu all diesen Tätigkeitsfeldern befindet Sich der Höchste Herr, der ānanda-maya genannt wird. Auch das Vedānta-sūtra beschreibt den Höchsten mit den Worten: ānanda-mayo ’bhyāsāt. Die Höchste Persönlichkeit Gottes ist von Natur aus voller Freude. Um Seine transzendentale Glückseligkeit zu genießen, erweitert Er Sich in vijñāna-maya, prāṇa-maya, jñāna-maya und anna-maya. Im Tätigkeitsfeld gilt das Lebewesen als der Genießer, doch es ist nicht der ānanda-maya. Deshalb bedeutet es für das Lebewesen Vollkommenheit, wenn es sich entscheidet, sich mit dem ānanda-maya zu verbinden, um zu genießen. Dies ist das richtige Bild vom Höchsten Herrn als dem höchsten Kenner des Feldes, dem Lebewesen als dem untergeordneten Kenner und der Natur des Tätigkeitsfeldes. Man muß diese Wahrheit durch das Vedānta-sūtra, das auch Brahma-sūtra genannt wird, erkennen.

Es wird hier darauf hingewiesen, daß die Aphorismen des Brahma- sūtra auf äußerst logische Art und Weise zusammengestellt sind, um Ursache und Wirkung zu erklären. Einige dieser sūtras, Aphorismen, lauten: na viyad aśruteḥ (2.3.2), nātmā śruteḥ (2.3.18) und parāt tu tac-chruteḥ (2.3.40). Der erste Aphorismus bezieht sich auf das Tätigkeitsfeld, der zweite auf das Lebewesen und der dritte auf den Höchsten Herrn, das summum bonum unter allen Manifestationen von verschiedenen Lebewesen.

Bg 13.6–7

mahā-bhūtāny ahaṅkāro
buddhir avyaktam eva ca
indriyāṇi daśaikaṁ ca
pañca cendriya-gocarāḥ
icchā dveṣaḥ sukhaṁ duḥkhaṁ
saṅghātaś cetanā dhṛtiḥ
etat kṣetraṁ samāsena
sa-vikāram udāhṛtam
Synonyms: 
mahā-bhūtāni — die großen Elemente; ahaṅkāraḥ — falsches Ego; buddhiḥ — Intelligenz; avyaktam — das Unmanifestierte; eva — gewiß; ca — auch; indriyāṇi — die Sinne; daśa-ekam — elf; ca — auch; pañca — fünf; ca — auch; indriya-go-carāḥ — die Sinnesobjekte; icchā — Verlangen; dveṣaḥ — Haß; sukham — Glück; duḥkham — Leid; saṅghātaḥ — die Gesamtheit; cetanā — Lebenssymptome; dhṛtiḥ — Überzeugung; etat — all dies; kṣetram — das Tätigkeitsfeld; samāsena — zusammengefaßt; sa-vikāram — mit Wechselwirkungen; udāhṛtam — veranschaulicht.
Translation: 
Die fünf großen Elemente, das falsche Ego, die Intelligenz, das Unmanifestierte, die zehn Sinne, der Geist, die fünf Sinnesobjekte, Verlangen, Haß, Glück, Leid, die Gesamtheit, die Lebenssymptome und die Überzeugungen – all dies wird, zusammengenommen, als das Tätigkeitsfeld und seine Wechselwirkungen bezeichnet.
Purport: 

ERLÄUTERUNG: Nach den autoritativen Aussagen aller großen Weisen, der vedischen Hymnen und der Aphorismen des Vedānta-sūtra werden die Bestandteile dieser Welt wie folgt beschrieben. Als erstes werden die fünf großen Elemente (mahā-bhūta) aufgezählt, nämlich Erde Wasser, Feuer, Luft und Äther. Dann folgen falsches Ego, Intelligenz und der unmanifestierte Zustand der drei Erscheinungsweisen der Natur. Weiter gibt es fünf wissenserwerbende Sinne – Augen, Ohren, Nase, Zunge und Haut – und fünf Arbeitssinne, nämlich Stimme, Beine, Hände, Anus und Genital. Über den Sinnen steht der Geist, der sich im Innern befindet und der deshalb auch als der innere Sinn bezeichnet werden kann. Mit dem Geist gibt es also insgesamt elf Sinne. Dann gibt es die fünf Sinnesobjekte: Geruch, Geschmack, Form, Berührung und Klang. Die Gesamtheit dieser vierundzwanzig Elemente wird Tätigkeitsfeld genannt. Wenn man ein analytisches Studium dieser vierundzwanzig Elemente vornimmt, gelangt man zu einem detaillierten Verständnis des Tätigkeitsfeldes. Weiter gibt es Verlangen, Haß, Glück und Leid, welches die Wechselwirkungen und Repräsentationen der fünf großen Elemente im grobstofflichen Körper sind. Die Lebenssymptome, die von Bewußtsein repräsentiert werden, und Überzeugungen sind die Manifestationen des feinstofflichen Körpers – Geist, Ego und Intelligenz. Diese feinstofflichen Elemente gehören ebenfalls zum Tätigkeitsfeld.

Die fünf großen Elemente sind eine grobstoffliche Repräsentation des falschen Ego, das seinerseits den ursprünglichen Zustand des falschen Ego repräsentiert, nämlich die materialistische Auffassung, die in der Fachsprache als tāmasa-buddhi (Intelligenz in Unwissenheit) bezeichnet wird. Dies wiederum repräsentiert den unmanifestierten Zustand der drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur. Die unmanifestierten Erscheinungsweisen der materiellen Natur werden pradhāna genannt.

Wer die Einzelheiten der Analyse dieser vierundzwanzig Elemente und ihrer Wechselwirkungen kennen möchte, sollte diese Philosophie eingehender studieren. Hier in der Bhagavad-gītā wird nur eine Zusammenfassung gegeben.

Der Körper ist die Repräsentation all dieser Faktoren, und es gibt sechs Veränderungen des Körpers: Er wird geboren, wächst, bleibt eine Zeitlang bestehen, erzeugt Nebenprodukte, beginnt zu zerfallen und vergeht schließlich. Das Tätigkeitsfeld ist daher vergänglich und materiell, wohingegen der kṣetra-jña, der Kenner des Feldes, das heißt sein Besitzer, von anderer Natur ist.

Bg 13.8–12

amānitvam adambhitvam
ahiṁsā kṣāntir ārjavam
ācāryopāsanaṁ śaucaṁ
sthairyam ātma-vinigrahaḥ
indriyārtheṣu vairāgyam
anahaṅkāra eva ca
janma-mṛtyu-jarā-vyādhi-
duḥkha-doṣānudarśanam
asaktir anabhiṣvaṅgaḥ
putra-dāra-gṛhādiṣu
nityaṁ ca sama-cittatvam
iṣṭāniṣṭopapattiṣu
mayi cānanya-yogena
bhaktir avyabhicāriṇī
vivikta-deśa-sevitvam
aratir jana-saṁsadi
adhyātma-jñāna-nityatvaṁ
tattva-jñānārtha-darśanam
etaj jñānam iti proktam
ajñānaṁ yad ato ’nyathā
Synonyms: 
amānitvam — Demut; adambhitvam — Freisein von Stolz; ahiṁsā — Gewaltlosigkeit; kṣāntiḥ — Duldsamkeit; ārjavam — Einfachheit; ācārya- upāsanam — Aufsuchen eines echten spirituellen Meisters; śaucam — Sauberkeit; sthairyam — Stetigkeit; ātma-vinigrahaḥ — Selbstbeherrschung; indriya-artheṣu — in bezug auf die Sinne; vairāgyam — Entsagung; anahaṅkāraḥ — Freisein von falschem Ego; eva — gewiß; ca — auch; janma — von Geburt; mṛtyu — Tod; jarā — Alter; vyādhi — und Krankheit; duḥkha — des Leides; doṣa — der Fehler; anudarśanam — beobachtend; asaktiḥ — Freisein von Anhaftung; anabhiṣvaṅgaḥ — ohne Gemeinschaft; putra — an den Sohn; dāra — Ehefrau; gṛha-ādiṣu — Heim usw; nityam — ununterbrochen; ca — auch; sama-cittatvam — Ausgeglichenheit; iṣṭa — Erwünschtes; aniṣṭa — und Unerwünschtes; upapattiṣu — erlangt habend; mayi — zu Mir; ca — auch; ananya- yogena — durch unvermischten hingebungsvollen Dienst; bhaktiḥ — Hingabe; avyabhicāriṇī — ohne Unterbrechung; vivikta — zu einsamen; deśa — Orten; sevitvam — strebend nach; aratiḥ — ohne Anhaftung; jana- saṁsadi — an die Masse der Menschen; adhyātma — auf das Selbst bezogen; jñāna — in Wissen; nityatvam — Beständigkeit; tattva-jñāna — des Wissens über die Wahrheit; artha — für das Objekt; darśanam — Philosophie; etat — all dies; jñānam — Wissen; iti — so; proktam — erklärt; ajñānam — Unwissenheit; yat — das, was; ataḥ — von diesem; anyathā — verschieden.
Translation: 
Demut, Freisein von Stolz, Gewaltlosigkeit, Duldsamkeit, Einfachheit, Aufsuchen eines echten spirituellen Meisters, Sauberkeit, Unerschütterlichkeit, Selbstbeherrschung, Entsagung der Objekte der Sinnenbefriedigung, Freisein von falschem Ego, das Erkennen des Übels von Geburt, Tod, Alter und Krankheit, Loslösung, Freiheit von der Verstrickung mit Kindern, Frau, Heim und so weiter, Gleichmut inmitten erfreulicher und unerfreulicher Ereignisse, beständige und unverfälschte Hingabe zu Mir, das Streben, sich an einen einsamen Ort zurückzuziehen, Loslösung von der allgemeinen Masse der Menschen, Erkenntnis der Wichtigkeit der Selbstverwirklichung und die philosophische Suche nach der Absoluten Wahrheit – all dies erkläre Ich hiermit für Wissen, und alles andere, was es sonst noch geben mag, ist Unwissenheit.
Purport: 

ERLÄUTERUNG: Unintelligente Menschen glauben manchmal fälschlicherweise, der hier beschriebene Vorgang des Wissens sei eine Wechselwirkung des Tätigkeitsfeldes. In Wirklichkeit aber ist dies der wahre Vorgang des Wissens, der demjenigen, der ihn aufnimmt, die Möglichkeit gibt, sich der Absoluten Wahrheit zu nähern. Dieser Vorgang ist nicht eine Wechselwirkung der vierundzwanzig Elemente, die zuvor beschrieben wurden. Vielmehr stellt dieser Vorgang das Mittel dar, um von der Verstrickung in diese Elemente frei zu werden. Die bedingte Seele ist im Körper gefangen, der eine Hülle aus vierundzwanzig Elementen ist, und der Vorgang des Wissens, wie er hier beschrieben wird, ist der Weg, um aus diesem Gefängnis herauszugelangen. Der wichtigste von allen Punkten in diesem Vorgang der Wissensentwicklung wird in der ersten Zeile des elften Verses beschrieben: mayi cānanya-yogena bhaktir avyabhicāriṇī. Der Pfad des Wissens gipfelt in unverfälschtem hingebungsvollem Dienst für den Herrn. Wenn man sich also dem transzendentalen Dienst des Herrn nicht zuwendet oder dazu nicht imstande ist, haben die anderen neunzehn Punkte keinen besonderen Wert. Doch wenn man sich dem hingebungsvollen Dienst zuwendet und vollkommen Kṛṣṇa-bewußt wird, entwickelt man die anderen neunzehn Eigenschaften von selbst. Dies wird im Śrīmad- Bhāgavatam (5.18.12) bestätigt: yasyāsti bhaktir bhagavaty akiñcanā sarvair guṇais tatra samāsate surāḥ. Wenn jemand die Stufe des hingebungsvollen Dienstes erreicht, entwickeln sich in ihm alle guten Eigenschaften des Wissens. Das im achten Vers erwähnte Prinzip, einen spirituellen Meister anzunehmen, ist essentiell. Selbst für jemanden, der sich dem hingebungsvollen Dienst zuwendet, ist dies der wichtigste Schritt. Transzendentales Leben beginnt, wenn man einen echten spirituellen Meister annimmt. Die Höchste Persönlichkeit Gottes, Śrī Kṛṣṇa, sagt hier klar, daß dieser Vorgang des Wissens der wahre Pfad ist. Jede Spekulation, die davon abweicht, ist Unsinn.

Die verschiedenen Punkte des hier dargelegten Wissens können wie folgt analysiert werden.

Demut bedeutet, nicht danach zu streben, von anderen geehrt zu werden. Die materielle Lebensauffassung macht uns sehr begierig, von anderen Ehre zu empfangen; doch in den Augen eines Menschen mit vollkommenem Wissen – der weiß, daß er nicht der Körper ist – ist alles, was sich auf den Körper bezieht, ob Ehre oder Schmach, wertlos. Man sollte nicht nach solchen trügerischen Zielen streben. Die Menschen sind darauf aus, für ihre Religion berühmt zu werden, und so kann man manchmal beobachten, wie sich jemand, ohne die Prinzipien der Religion zu verstehen, einer Gruppe anschließt, die in Wirklichkeit keinen religiösen Prinzipien folgt, und sich dann als religiöser Lehrer aufspielen möchte. Um zu prüfen, wie weit jemand tatsächlich in der spirituellen Wissenschaft fortgeschritten ist, sollte man anhand der hier beschriebenen Gesichtspunkte urteilen.

Unter Gewaltlosigkeit wird im allgemeinen verstanden, den Körper nicht zu töten oder zu verletzen; doch in Wirklichkeit bedeutet Gewaltlosigkeit, anderen kein Leid zuzufügen. Die Masse der Menschen ist durch Unwissenheit in der materiellen Lebensauffassung gefangen und ist daher unaufhörlich den materiellen Leiden ausgesetzt. Solange man also den Menschen kein spirituelles Wissen gibt, ist man gewalttätig. Man sollte sein bestes versuchen, um den Menschen wirkliches Wissen zu vermitteln, so daß sie erleuchtet werden und der materiellen Verstrickung entkommen können. Das ist Gewaltlosigkeit.

Duldsamkeit bedeutet, es gelernt zu haben, Schmähungen und Beleidigungen seitens anderer zu ertragen. Wenn man sich bemüht, im spirituellen Wissen fortzuschreiten, wird man oft von anderen beleidigt und geschmäht. Das ist zu erwarten, denn so ist die materielle Natur. Selbst ein kleiner Junge wie Prahlāda, der sich schon im Alter von fünf Jahren um spirituelles Wissen bemühte, geriet in Gefahr, als sein Vater seine Hingabe unterbinden wollte. Der Vater versuchte, ihn auf verschiedenste Arten zu töten, doch Prahlāda nahm dies alles duldsam auf sich. Es kann also viele Hindernisse geben, wenn man Fortschritt im spirituellen Wissen machen will, doch wir sollten duldsam sein und mit Entschlossenheit einfach weitermachen.

Einfachheit bedeutet, daß man ohne Diplomatie so aufrichtig sein sollte, daß man sogar einem Feind die reine Wahrheit offenbaren kann.

Das Annehmen eines spirituellen Meisters ist unbedingt notwendig, denn ohne die Anweisungen eines echten spirituellen Meisters kann man in der spirituellen Wissenschaft keinen Fortschritt machen. Man sollte sich dem spirituellen Meister in größter Demut nähern und ihm alle Dienste anbieten, so daß es ihm gefallen möge, dem Schüler seine Segnungen zu erteilen. Der spirituelle Meister ist der Repräsentant Kṛṣṇas, und wenn ein solcher echter spiritueller Meister seinem Schüler seine Segnungen gewährt, macht dieser Schüler sogleich großen Fortschritt, selbst wenn er nicht alle regulierenden Vorschriften befolgt. Oder es wird dem Schüler, der dem spirituellen Meister vorbehaltlos gedient hat, leichter fallen, die regulierenden Vorschriften zu befolgen.

Sauberkeit ist unerläßlich, um im spirituellen Leben Fortschritt zu machen. Es gibt zwei Arten von Sauberkeit: äußere und innere. Äußere Sauberkeit bedeutet, ein Bad zu nehmen, doch um innerlich sauber zu werden, muß man immer an Kṛṣṇa denken und Hare Kṛṣṇa, Hare Kṛṣṇa, Kṛṣṇa Kṛṣṇa, Hare Hare/ Hare Rāma, Hare Rāma, Rāma Rāma, Hare Hare chanten. Dieser Vorgang reinigt den Geist vom angesammelten Staub des vergangenen karma.

Unerschütterlichkeit bedeutet, sehr entschlossen zu sein, im spirituellen Leben Fortschritt zu machen. Ohne solche Entschlossenheit kann man keinen spürbaren Fortschritt machen. Und Selbstbeherrschung bedeutet, nichts anzunehmen, was dem Pfad des spirituellen Fortschritts entgegensteht. Man sollte es sich zur Gewohnheit machen, alles abzulehnen, was für den Pfad des spirituellen Fortschritts nicht förderlich ist. Das ist wirkliche Entsagung. Die Sinne sind so stark, daß sie ständig nach Befriedigung begehren. Man sollte diesen Forderungen nicht nachgeben, denn diese Befriedigung ist nicht notwendig. Die Sinne sollten nur befriedigt werden, um den Körper gesund zu halten, so daß man seine Pflichten auf dem fortschreitenden Pfad des spirituellen Lebens erfüllen kann. Der wichtigste und zügelloseste aller Sinne ist die Zunge. Wenn man die Zunge zu beherrschen vermag, ist es auch möglich, die anderen Sinne zu beherrschen. Die Zunge hat die Aufgabe, zu schmecken und Laute zu formen; deshalb sollte die Zunge durch systematische Regulierung immer damit beschäftigt sein, die Reste von Speisen, die Kṛṣṇa geopfert wurden, zu schmecken und Hare Kṛṣṇa zu chanten. Was die Augen betrifft, so sollte ihnen nicht erlaubt werden, etwas anderes zu betrachten als die schöne Gestalt Kṛṣṇas. Auf diese Weise können die Augen beherrscht werden. Ebenso sollten die Ohren damit beschäftigt werden, über Kṛṣṇa zu hören, und die Nase sollte Blumen riechen, die Kṛṣṇa geopfert wurden. Das ist der Vorgang des hingebungsvollen Dienstes, und hieraus kann man ersehen, daß die Bhagavad-gītā in Wirklichkeit nichts anderes lehrt als die Wissenschaft des hingebungsvollen Dienstes. Hingebungsvoller Dienst ist das einzige und höchste Ziel. Unintelligente Kommentatoren der Bhagavad-gītā versuchen, den Geist des Lesers auf andere Dinge zu lenken, doch es gibt in der Bhagavad-gītā kein anderes Thema als hingebungsvollen Dienst.

Falsches Ego bedeutet, den Körper für das Selbst zu halten. Wenn man versteht, daß man nicht der Körper, sondern spirituelle Seele ist, erreicht man sein wahres Ego. Das Ego existiert immer. Das wahre Ego wird nicht verurteilt, nur das falsche. In den vedischen Schriften (Bṛhad-āraṇyaka Upaniṣad 1.4.10) heißt es: ahaṁ brahmāsmi. „Ich bin Brahman, ich bin spirituell.“ Dieses „ich bin“, dieses Gefühl des Selbst, existiert auch auf der befreiten Stufe der Selbstverwirklichung. Dieses Gefühl des „ich bin“ ist das Ego, doch wenn dieses Gefühl auf den falschen Körper gerichtet wird, ist es falsches Ego. Wenn das Gefühl des Selbst auf die Realität gerichtet wird, ist dies wahres Ego. Einige Philosophen sagen, wir sollten unser Ego aufgeben, aber dies ist nicht möglich, denn Ego bedeutet Identität. Was wir jedoch tatsächlich aufgeben sollten, ist die falsche Identifizierung mit dem Körper.

Man sollte sich des Leids bewußt sein, dem wir in Form von Geburt, Tod, Alter und Krankheit ausgesetzt sind. Es gibt in verschiedenen vedischen Schriften Beschreibungen der Geburt. Im Bhāgavatam finden wir eine anschauliche Beschreibung der Welt des Ungeborenen, der Lebensumstände des Kindes im Mutterschoß, seiner Leiden usw. Man sollte unbedingt verstehen, daß Geburt qualvoll ist. Weil wir jedoch vergessen haben, wie sehr wir im Mutterleib gelitten haben, bemühen wir uns nicht um eine Lösung für das Problem der Wiederholung von Geburt und Tod. Auch zur Zeit des Todes gibt es vielerlei Leiden, die ebenfalls in den maßgebenden Schriften beschrieben werden. Über diese Themen sollte gesprochen werden. Und was Krankheit und Alter betrifft, so macht jeder seine eigene Erfahrung. Niemand möchte krank sein, und niemand möchte alt werden, doch Krankheit und Alter sind unvermeidlich. Solange wir das materielle Leben in Anbetracht der Leiden von Geburt, Alter, Krankheit und Tod nicht mit Pessimismus sehen, haben wir keinen Antrieb, im spirituellen Leben Fortschritt zu machen.

Mit der Loslösung von Heim, Frau und Kindern ist nicht gemeint, daß man keine Gefühle für sie haben soll. Zuneigung zu ihnen ist natürlich, doch wenn sie für den spirituellen Fortschritt nicht förderlich sind, sollte man nicht an ihnen hängen. Der beste Vorgang, sein Heim angenehm zu gestalten, ist Kṛṣṇa-Bewußtsein. Wenn man völlig Kṛṣṇa- bewußt ist, kann man in seinem Heim eine sehr glückliche Atmosphäre schaffen, denn der Vorgang des Kṛṣṇa-Bewußtseins ist sehr einfach. Man braucht nur Hare Kṛṣṇa, Hare Kṛṣṇa, Kṛṣṇa Kṛṣṇa, Hare Hare/ Hare Rāma, Hare Rāma, Rāma Rāma, Hare Hare zu chanten, die Überreste von Speisen zu essen, die Kṛṣṇa geopfert wurden, über Bücher wie die Bhagavad-gītā und das Śrīmad-Bhāgavatam zu sprechen und sich in der Bildgestaltenverehrung zu beschäftigen. Diese vier Tätigkeiten werden einen glücklich machen, und man sollte die Mitglieder seiner Familie darin ausbilden. Die Familie kann sich morgens und abends zusammensetzen und gemeinsam Hare Kṛṣṇa, Hare Kṛṣṇa, Kṛṣṇa Kṛṣṇa, Hare Hare/ Hare Rāma, Hare Rāma, Rāma Rāma, Hare Hare chanten. Wenn man durch das Befolgen dieser vier Prinzipien sein Familienleben so gestalten kann, daß es für die Entwicklung des Kṛṣṇa-Bewußtseins förderlich ist, ist es nicht notwendig, vom Familienleben in den Lebensstand der Entsagung zu wechseln. Wenn das Familienleben jedoch für den spirituellen Fortschritt nicht förderlich, sondern hinderlich ist, sollte es aufgegeben werden. Man muß alles opfern, um Kṛṣṇa zu erkennen und Ihm zu dienen, genau wie es Arjuna tat. Arjuna wollte seine Familienangehörigen nicht töten, aber als er verstand, daß sie Hindernisse für seine Kṛṣṇa-Erkenntnis waren, nahm er Kṛṣṇas Anweisung an und kämpfte gegen seine Verwandten und tötete sie. Auf jeden Fall sollte man vom Glück und Leid des Familienlebens losgelöst sein, denn in dieser Welt kann man niemals völlig glücklich oder völlig unglücklich sein.

Glück und Leid sind untrennbar mit dem materiellen Leben verbunden. Wie in der Bhagavad-gītā empfohlen wird, sollte man lernen, sie zu erdulden. Da man dem Kommen und Gehen von Glück und Leid niemals Einhalt gebieten kann, sollte man sich von der materialistischen Lebensweise lösen und auf diese Weise von vornherein in beiden Fällen ausgeglichen bleiben. Gewöhnlich sind wir sehr glücklich, wenn wir etwas Erwünschtes bekommen, und wenn uns etwas Unerwünschtes widerfährt, sind wir unglücklich. Wenn wir uns jedoch tatsächlich auf der spirituellen Ebene befinden, werden uns diese Dinge nicht mehr berühren. Um diese Stufe zu erreichen, müssen wir unerschütterlichen hingebungsvollen Dienst ausführen. Ohne abzuweichen hingebungsvollen Dienst zu Kṛṣṇa auszuführen bedeutet, sich in den neun Vorgängen des hingebungsvollen Dienstes zu beschäftigen: chanten, hören, verehren, Ehrerbietungen darbringen usw., wie dies im letzten Vers des Neunten Kapitels beschrieben wird. Dies sind die Vorgänge, denen man folgen muß.

Es ist ganz natürlich, daß jemand, der ein spirituelles Leben führt, nicht mehr mit materialistischen Menschen verkehren will. Dies wäre völlig gegen seine Natur. Man kann seinen Fortschritt prüfen, indem man feststellt, inwieweit man bereit ist, an einem einsamen Ort ohne unerwünschte Gemeinschaft zu leben. Auch ist ein Gottgeweihter von Natur aus nicht an unnötigen Vergnügungen, Kinobesuchen oder gesellschaftlichen Veranstaltungen interessiert, denn er versteht, daß diese Dinge nichts als Zeitverschwendung sind. Es gibt viele Forscher und Philosophen, die Themen wie Sexualität usw. untersuchen, doch nach der Bhagavad-gītā haben solche Forschungsarbeiten und philosophischen Spekulationen keinen Wert. Sie sind mehr oder weniger sinnlos. Der Bhagavad-gītā zufolge sollte man mit philosophischem Verständnis nach dem Wesen der Seele forschen. Das Ziel aller Forschung sollte, wie es hier empfohlen wird, darin bestehen, das Selbst zu verstehen.

Wie aus diesen Versen hervorgeht, ist bhakti-yoga der geeignete Weg, um Selbstverwirklichung zu erlangen. Sobald von Hingabe die Rede ist, muß man die Beziehung zwischen der Überseele und der individuellen Seele in Betracht ziehen. Die individuelle Seele und die Überseele können nicht eins sein, zumindest nicht nach der bhakti-Auffassung, der Lebensauffassung der Hingabe. Dieser Dienst der individuellen Seele für die Höchste Seele ist nityam (ewig), wie hier eindeutig gesagt wird. Deswegen ist bhakti, hingebungsvoller Dienst, ewig. In dieser philosophischen Überzeugung muß man gefestigt sein.

Im Śrīmad-Bhāgavatam (1.2.11) wird dies genau erklärt. Vadanti tat tattva-vidas tattvaṁ yaj jñānam advayam: „Diejenigen, die die Absolute Wahrheit tatsächlich kennen, wissen, daß das Höchste Selbst in drei verschiedenen Aspekten, als Brahman, Paramātmā und Bhagavān, erkannt wird.“ Bhagavān ist die höchste Stufe der Erkenntnis der Absoluten Wahrheit; deshalb sollte man sich auf diese Stufe des Wissens erheben und sich im hingebungsvollen Dienst der Höchsten Persönlichkeit Gottes beschäftigen. Das ist die Vollkommenheit des Wissens.

Dieser Vorgang – angefangen mit dem Entwickeln von Demut bis hin zur Erkenntnis der Höchsten Wahrheit, der Absoluten Persönlichkeit Gottes – gleicht einer Treppe, die vom Erdgeschoß zum obersten Stockwerk führt. Auf dieser Treppe gibt es viele Menschen, die den ersten, zweiten oder dritten oder einen anderen Stock erreicht haben, doch solange man nicht das oberste Stockwerk erreicht, das heißt die Ebene, auf der man Kṛṣṇa versteht, befindet man sich immer noch auf einer niederen Stufe des Wissens. Wenn jemand versucht, sich mit Gott zu messen und gleichzeitig Fortschritt im spirituellen Wissen zu machen, so werden all seine Bemühungen scheitern. Hier wird klar gesagt, daß man ohne Demut kein wahres Wissen erlangen kann. Und sich selbst für Gott zu halten ist der größte Hochmut. Obwohl das Lebewesen ständig von den strengen Gesetzen der materiellen Natur getreten wird, denkt es aufgrund von Unwissenheit: „Ich bin Gott.“ Der Anfang des Wissens ist deshalb amānitva, Demut. Man sollte demütig sein und verstehen, daß man dem Höchsten Herrn untergeordnet ist. Nur weil man gegen den Höchsten Herrn rebelliert, gerät man unter den Einfluß der materiellen Natur. Diese Wahrheit muß man kennen, und man muß von ihr überzeugt sein.

Bg 13.13

jñeyaṁ yat tat pravakṣyāmi
yaj jñātvāmṛtam aśnute
anādi mat-paraṁ brahma
na sat tan nāsad ucyate
Synonyms: 
jñeyam — der Gegenstand des Wissens; yat — was; tat — das; pravakṣyāmi — Ich werde nun erklären; yat — was; jñātvā — kennend; amṛtam — Nektar; aśnute — man kostet; anādi — anfanglos; mat-param — Mir untergeordnet; brahma — die spirituelle Natur; na — weder; sat — Ursache; tat — dieses; na — noch; asat — Wirkung; ucyate — wird genannt.
Translation: 
Ich werde nun den Gegenstand des Wissens erklären, und mit diesem Wissen wirst du das Ewige kosten. Das Brahman, die spirituelle Natur, ist anfanglos und Mir untergeordnet. Es liegt jenseits der Ursache und Wirkung der materiellen Welt.
Purport: 

ERLÄUTERUNG: Der Herr hat bereits das Tätigkeitsfeld und den Kenner des Feldes erklärt, und Er beschrieb auch den Vorgang, um den Kenner des Tätigkeitsfeldes zu erkennen. Nun wird Er den Gegenstand des Wissens erklären, das heißt zuerst die Seele und dann die Überseele. Das Wissen über den Kenner, das heißt die Seele und die Überseele, erlaubt es einem, den Nektar des Lebens zu kosten. Wie im Zweiten Kapitel erklärt wird, ist das Lebewesen ewig. Das wird auch hier bestätigt. Es gibt keinen bestimmten Zeitpunkt, an dem der jīva geboren wurde, und niemand kann herausfinden, wann in der Geschichte der jīvātmā vom Höchsten Herrn manifestiert wurde. Deshalb ist der jīvātmā anfanglos. Die vedischen Schriften bestätigen dies: na jāyate mriyate vā vipaścit (Kaṭha Upaniṣad 1.2.18). Der Kenner des Körpers wird niemals geboren und stirbt niemals, und er ist voller Wissen.

Die vedischen Schriften (Śvetāśvatara Upaniṣad 6.16) sagen, daß der Höchste Herr als Überseele auch pradhāna-kṣetrajña-patir guṇeśaḥ ist, das heißt der Hauptkenner des Körpers und der Meister der drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur. In der smṛti heißt es des weiteren: dāsa-bhūto harer eva nānyasyaiva kadācana. Die Lebewesen stehen ewig im Dienst des Höchsten Herrn. Das wird auch von Śrī Caitanyas Lehren bestätigt. Aus all diesem geht hervor, daß sich die Beschreibung des Brahman, wie sie in diesem Vers gegeben wird, auf die individuelle Seele bezieht, und wenn das Wort „Brahman“ auf das Lebewesen angewandt wird, ist damit gemeint, daß es vijñāna-brahma ist – im Gegensatz zu ānanda-brahma. Ānanda-brahma ist das Höchste Brahman, die Höchste Persönlichkeit Gottes.

Bg 13.14

sarvataḥ pāṇi-pādaṁ tat
sarvato ’kṣi-śiro-mukham
sarvataḥ śrutimal loke
sarvam āvṛtya tiṣṭhati
Synonyms: 
sarvataḥ — überall; pāṇi — Hände; pādam — Beine; tat — das; sarvataḥ — überall; akṣi — Augen; śiraḥ — Köpfe; mukham — Gesichter; sarvataḥ — überall; śruti-mat — Ohren habend; loke — in der Welt; sarvam — alles; āvṛtya — bedeckend; tiṣṭhati — existiert.
Translation: 
Überall sind Seine Hände und Beine, Seine Augen, Köpfe und Gesichter, und überall sind Seine Ohren. Auf diese Weise existiert die Überseele, die alles durchdringt.
Purport: 

ERLÄUTERUNG: Die Überseele, die Höchste Persönlichkeit Gottes, kann mit der Sonne verglichen werden. So wie die Sonne ihre unbegrenzten Strahlen überallhin verbreitet, so ist die Höchste Persönlichkeit Gottes in Ihrer Form als Überseele alldurchdringend, und in Ihr existieren alle individuellen Lebewesen – angefangen mit dem ersten großen Lehrer, Brahmā, bis hinab zu den kleinen Ameisen. Es gibt unbegrenzt viele Köpfe, Beine, Hände und Augen und unbegrenzt viele Lebewesen. Sie alle existieren in der Überseele und durch die Überseele. Deshalb ist die Überseele alldurchdringend. Die individuelle Seele jedoch kann nicht von sich behaupten, sie habe ihre Hände, Beine und Augen überall. Das ist nicht möglich. Wenn jemand denkt, er sei sich nur aufgrund von Unwissenheit nicht bewußt, daß seine Hände und Beine überall verbreitet seien, er werde aber zu dieser Stufe kommen, wenn er wahres Wissen erlange, dann ist seine Ansicht völlig widersprüchlich. Wenn die individuelle Seele der Höchste wäre, wie hätte sie dann von der materiellen Natur bedingt werden können? Der Höchste ist von der individuellen Seele verschieden. Der Höchste Herr kann Seine Hand unbegrenzt weit ausstrecken, die individuelle Seele jedoch nicht. In der Bhagavad-gītā sagt der Herr, wenn Ihm jemand eine Blume oder eine Frucht oder ein wenig Wasser opfere, werde Er es annehmen. Aber wie kann der Herr diese Dinge annehmen, wenn Er so weit weg ist? Darin besteht die Allmacht des Herrn: Obwohl Er Sich weit, weit entfernt von der Erde in Seinem eigenen Reich befindet, kann Er Seine Hand überallhin ausstrecken, um Opfergaben entgegenzunehmen. Das ist Seine Macht. In der Brahma-saṁhitā (5.37) heißt es: goloka eva nivasaty akhilātma- bhūtaḥ. Obwohl Er auf Seinem transzendentalen Planeten immer in Seine Spiele vertieft ist, ist Er alldurchdringend. Die individuelle Seele kann nicht behaupten, sie sei alldurchdringend. Deshalb beschreibt dieser Vers die Höchste Seele, die Persönlichkeit Gottes, und nicht die individuelle Seele.

Bg 13.15

sarvendriya-guṇābhāsaṁ
sarvendriya-vivarjitam
asaktaṁ sarva-bhṛc caiva
nirguṇaṁ guṇa-bhoktṛ ca
Synonyms: 
sarva — aller; indriya — Sinne; guṇa — der Eigenschaften; ābhāsam — die ursprüngliche Quelle; sarva — alle; indriya — Sinne; vivarjitam — existierend ohne; asaktam — ohne Anhaftung; sarva-bhṛt — der Erhalter eines jeden; ca — auch; eva — gewiß; nirguṇam — ohne materielle Eigenschaften; guṇa-bhoktṛ — Herr der guṇas; ca — auch.
Translation: 
Die Überseele ist die ursprüngliche Quelle aller Sinne, doch Sie Selbst ist ohne Sinne. Sie ist unangehaftet, obwohl Sie der Erhalter aller Lebewesen ist. Sie steht über den Erscheinungsweisen der Natur, und gleichzeitig ist Sie der Herr aller Erscheinungsweisen der materiellen Natur.
Purport: 

ERLÄUTERUNG: Obwohl der Höchste Herr der Ursprung aller Sinne der Lebewesen ist, hat Er keine materiellen Sinne wie sie. Eigentlich haben die individuellen Seelen spirituelle Sinne, aber im bedingten Leben sind diese von den materiellen Elementen bedeckt, und deshalb werden die Tätigkeiten der Sinne durch Materie hindurch manifestiert. Die Sinne des Höchsten Herrn jedoch sind nicht bedeckt. Seine Sinne sind transzendental und werden daher nirguṇa genannt. Mit guṇa sind die materiellen Erscheinungsweisen gemeint, aber die Sinne des Herrn sind frei von materieller Bedeckung. Man sollte verstehen, daß Seine Sinne nicht wie die unseren sind. Obwohl Er die Quelle all unserer Sinnestätigkeiten ist, hat Er transzendentale Sinne, die nicht verunreinigt sind. Dies wird in der Śvetāśvatara Upaniṣad (3.19) sehr schön erklärt: apāṇi-pādo javano grahītā. Der Herr, die Höchste Persönlichkeit Gottes, hat keine Hände, die von Materie verunreinigt sind, aber Er hat Hände und nimmt mit ihnen alle Opfer an, die Ihm dargebracht werden. Das ist der Unterschied zwischen der individuellen Seele und der Überseele. Die Überseele hat keine materiellen Augen, aber dennoch hat Sie Augen – wie könnte Sie sonst sehen? Die Überseele sieht alles – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie befindet Sich im Herzen des Lebewesens, und Sie weiß, was wir in der Vergangenheit getan haben, was wir gegenwärtig tun und was uns in der Zukunft erwartet. Dies wird auch in der Bhagavad-gītā bestätigt: Der Höchste Herr kennt alles, doch Ihn kennt niemand. Es wird beschrieben, daß der Höchste Herr keine Beine hat wie wir, daß Er Sich aber durch den Raum bewegen kann, weil Er spirituelle Beine hat. Mit anderen Worten, der Herr ist nicht unpersönlich; Er hat Augen, Beine, Hände und alles andere, und weil wir Teile des Höchsten Herrn sind, haben wir dies alles auch. Aber Seine Hände, Seine Beine, Seine Augen und Seine Sinne sind nicht durch die materielle Natur verunreinigt.

Die Bhagavad-gītā bestätigt ebenfalls, daß der Herr, wenn Er erscheint, durch Seine innere Energie so erscheint, wie Er ist. Er wird von der materiellen Energie nicht verunreinigt, denn Er ist der Herr der materiellen Energie. Aus den vedischen Schriften erfahren wir, daß Seine ganze körperliche Gestalt spirituell ist. Seine Gestalt ist ewig und wird sac-cid-ānanda-vigraha genannt. Er besitzt alle Füllen in Vollkommenheit. Er ist der Eigentümer allen Reichtums und der Besitzer aller Energie. Er ist der Intelligenteste, und Er ist voller Wissen. Dies sind einige der Merkmale der Höchsten Persönlichkeit Gottes. Er ist der Erhalter aller Lebewesen und der Zeuge jeder Tätigkeit. Wie wir den vedischen Schriften entnehmen können, ist der Höchste Herr immer transzendental. Obwohl wir Seinen Kopf, Sein Gesicht, Seine Hände und Seine Beine nicht sehen können, sind sie da, und wenn wir auf die transzendentale Stufe erhoben werden, können wir die Gestalt des Herrn sehen. Aber weil unsere Sinne durch Materie verunreinigt sind, können wir Seine Gestalt nicht wahrnehmen. Deshalb können die Unpersönlichkeitsanhänger, die immer noch von der Materie beeinflußt werden, die Persönlichkeit Gottes nicht verstehen.

Bg 13.16

bahir antaś ca bhūtānām
acaraṁ caram eva ca
sūkṣmatvāt tad avijñeyaṁ
dūra-sthaṁ cāntike ca tat
Synonyms: 
bahiḥ — außerhalb; antaḥ — innerhalb; ca — auch; bhūtānām — aller Lebewesen; acaram — sich nicht bewegend; caram — sich bewegend; eva — auch; ca — und; sūkṣmatvāt — aufgrund feiner Beschaffenheit; tat — das; avijñeyam — nicht erkennbar; dūra-stham — weit entfernt; ca — auch; antike — nahe; ca — und; tat — das.
Translation: 
Die Höchste Wahrheit existiert innerhalb und außerhalb aller Lebewesen, der sich bewegenden und der sich nicht bewegenden. Aufgrund Ihrer feinen Beschaffenheit ist es nicht möglich, Sie mit den materiellen Sinnen zu sehen oder zu erkennen. Obwohl weit, weit entfernt, ist Sie auch sehr nah.
Purport: 

ERLÄUTERUNG: Wir erfahren aus den vedischen Schriften, daß Sich Nārāyaṇa, die Höchste Person, sowohl innerhalb als auch außerhalb eines jeden Lebewesens befindet. Er ist sowohl in der spirituellen als auch in der materiellen Welt gegenwärtig. Obwohl Er weit, weit entfernt ist, ist Er uns dennoch sehr nah. So lauten die Aussagen der vedischen Schriften. Āsīno dūraṁ vrajati śayāno yāti sarvataḥ (Kaṭha Upaniṣad 1.2.21). Und weil Er immer von transzendentaler Glückseligkeit erfüllt ist, können wir nicht verstehen, wie Er Seinen vollkommenen Reichtum genießt. Dies können wir mit unseren materiellen Sinnen nicht sehen oder verstehen. Deshalb sagen die vedischen Schriften, daß unser materieller Geist und unsere materiellen Sinne nicht geeignet sind, Ihn zu verstehen. Wer jedoch seinen Geist und seine Sinne durch den Vorgang des Kṛṣṇa-Bewußtseins im hingebungsvollen Dienst geläutert hat, ist in der Lage, Ihn ständig zu sehen. In der Brahma-saṁhitā wird bestätigt, daß der Gottgeweihte, der Liebe zum Höchsten Herrn entwickelt hat, Ihn immer ohne Unterbrechung sehen kann. Und in der Bhagavad- gītā (11.54) wird bestätigt, daß Er nur durch hingebungsvollen Dienst gesehen und verstanden werden kann. Bhaktyā tv ananyayā śakyaḥ.

Bg 13.17

avibhaktaṁ ca bhūteṣu
vibhaktam iva ca sthitam
bhūta-bhartṛ ca taj jñeyaṁ
grasiṣṇu prabhaviṣṇu ca
Synonyms: 
avibhaktam — ohne Aufteilung; ca — auch; bhūteṣu — in alle Lebewesen; vibhaktam — aufgeteilt; iva — wie wenn; ca — auch; sthitam — existierend; bhūta-bhartṛ — der Erhalter aller Lebewesen; ca — auch; tat — dies; jñeyam — muß verstanden werden; grasiṣṇu — verschlingend; prabhaviṣṇu — hervorbringend; ca — auch.
Translation: 
Obwohl die Überseele unter allen Wesen aufgeteilt zu sein scheint, ist Sie niemals geteilt. Sie ist in Ihrer Existenz eins. Obwohl Sie der Erhalter eines jeden Lebewesens ist, muß man verstehen, daß Sie alles verschlingt und hervorbringt.
Purport: 

ERLÄUTERUNG: Der Herr weilt als Überseele im Herzen eines jeden. Bedeutet dies, daß Er aufgeteilt wurde? Nein. Im Grunde ist Er eins. In diesem Zusammenhang wird das Beispiel der Sonne gegeben. Wenn die Sonne den Zenit erreicht, steht sie über einem ganz bestimmten Ort, doch wenn man fünftausend Kilometer in alle Richtungen ginge und fragte: „Wo ist die Sonne?“, würde jeder sagen, sie scheine genau auf seinen Kopf. In der vedischen Literatur wird dieses Beispiel gegeben, um zu zeigen, daß der Herr, obwohl Er ungeteilt ist, aufgeteilt zu sein scheint. Ebenso heißt es in der vedischen Literatur, daß der eine Viṣṇu durch Seine Allmacht überall gegenwärtig ist, ebenso wie die Sonne vielen Menschen an vielen Orten erscheint. Und obwohl der Höchste Herr der Erhalter eines jeden Lebewesens ist, wird zur Zeit der Vernichtung alles von Ihm verschlungen. Dies wurde im Elften Kapitel bestätigt, als der Herr sagte, daß Er gekommen sei, um alle in Kurukṣetra versammelten Krieger zu verschlingen. Er erwähnte auch, daß Er in Form der Zeit alles verschlinge. Er ist der Vernichter und der Töter aller Dinge und aller Wesen. Zur Zeit der Schöpfung bringt Er alle Lebewesen aus ihrem ursprünglichen Zustand hervor, und zur Zeit der Vernichtung verschlingt Er sie. Die vedischen Hymnen bestätigen die Tatsache, daß Er der Ursprung und der Ruheort aller Lebewesen ist. Nach der Schöpfung ruht alles in Seiner Allmacht, und nach der Vernichtung kehrt alles wieder zurück, um in Ihm zu ruhen. So lauten die Beschreibungen der vedischen Hymnen. Yato vā imāni bhūtāni jāyante yena jātāni jīvanti yat prayanty abhisaṁviśanti tad brahma tad vijijñāsasva (Taittirīya Upaniṣad 3.1).

Bg 13.18

jyotiṣām api taj jyotis
tamasaḥ param ucyate
jñānaṁ jñeyaṁ jñāna-gamyaṁ
hṛdi sarvasya viṣṭhitam
Synonyms: 
jyotiṣām — in allen Leuchtkörpern; api — auch; tat — das; jyotiḥ — die Quelle des Lichtes; tamasaḥ — der Dunkelheit; param — jenseits; ucyate — wird genannt; jñānam — Wissen; jñeyam — das zu Erkennende; jñāna- gamyam — durch Wissen zu erreichen; hṛdi — im Herzen; sarvasya — eines jeden; viṣṭhitam — sich befindend.
Translation: 
Sie ist die Lichtquelle in allen Leuchtkörpern. Sie befindet Sich jenseits der Dunkelheit der Materie und ist unmanifestiert. Sie ist das Wissen, Sie ist der Gegenstand des Wissens, und Sie ist das Ziel des Wissens. Sie befindet Sich im Herzen eines jeden.
Purport: 

ERLÄUTERUNG: Die Überseele, die Höchste Persönlichkeit Gottes, ist die Lichtquelle in allen Leuchtkörpern wie der Sonne, dem Mond und den Sternen. Aus den vedischen Schriften erfahren wir, daß im spirituellen Königreich Sonne und Mond nicht nötig sind, weil dort alles von der Ausstrahlung des Höchsten Herrn erleuchtet wird. In der materiellen Welt ist dieses brahmajyoti, die spirituelle Ausstrahlung des Herrn, vom mahat-tattva, den materiellen Elementen, bedeckt. Deshalb benötigen wir in der materiellen Welt die Hilfe von Sonne, Mond, Elektrizität usw., um Licht zu haben. In der spirituellen Welt aber sind solche Dinge nicht nötig. Die vedischen Schriften erklären, daß nur aufgrund Seiner leuchtenden Ausstrahlung alles erleuchtet ist. Es ist deshalb klar, daß Sein Aufenthaltsort nicht in der materiellen Welt liegt. Er weilt in der spirituellen Welt, weit, weit entfernt im spirituellen Himmel. Auch dies wird in den vedischen Schriften bestätigt: Āditya-varṇaṁ tamasaḥ parastāt (Śvetāśvatara Upaniṣad 3.8). Er ist ewig leuchtend wie die Sonne, doch Er befindet Sich weit jenseits der Dunkelheit der materiellen Welt.

Sein Wissen ist transzendental. Die vedischen Schriften bestätigen, daß das Brahman konzentriertes transzendentales Wissen ist. Demjenigen, der bestrebt ist, in die spirituelle Welt erhoben zu werden, wird dieses Wissen vom Höchsten Herrn, der Sich in jedem Herzen befindet, gegeben. In einem vedischen mantra (Śvetāśvatara Upaniṣad 6.18) heißt es: taṁ ha devam ātma-buddhi-prakāśaṁ mumukṣur vai śaraṇam ahaṁ prapadye. Man muß sich der Höchsten Persönlichkeit Gottes ergeben, wenn man tatsächlich befreit werden will. Und was das Ziel endgültigen Wissens betrifft, so wird dies ebenfalls in den vedischen Schriften definiert: tam eva viditvāti mṛtyum eti. „Nur wenn man Ihn kennt, kann man die Grenzen von Geburt und Tod überwinden.“ (Śvetāśvatara Upaniṣad 3.8)

Er weilt im Herzen eines jeden als höchster Lenker. Die Hände und Beine des Höchsten sind überallhin verbreitet, was man von der individuellen Seele nicht behaupten kann. Deshalb muß man anerkennen, daß es zwei Kenner des Tätigkeitsfeldes gibt – die individuelle Seele und die Überseele. Unsere Hände und Beine befinden sich nur an einem Ort, doch Kṛṣṇas Hände und Beine sind überallhin verbreitet. Das wird in der Śvetāśvatara Upaniṣad (3.17) bestätigt: sarvasya prabhum īśānaṁ sarvasya śaraṇaṁ bṛhat. Die Höchste Persönlichkeit Gottes, die Überseele, ist der prabhu, der Herr, aller Lebewesen; deshalb ist Sie die letztliche Zuflucht aller Lebewesen. Man kann also die Tatsache nicht leugnen, daß die Höchste Überseele und die individuelle Seele immer verschieden sind.

Bg 13.19

iti kṣetraṁ tathā jñānaṁ
jñeyaṁ coktaṁ samāsataḥ
mad-bhakta etad vijñāya
mad-bhāvāyopapadyate
Synonyms: 
iti — auf diese Weise; kṣetram — das Tätigkeitsfeld (der Körper); tathā — auch; jñānam — Wissen; jñeyam — den Gegenstand des Wissens; ca — auch; uktam — beschrieben; samāsataḥ — zusammengefaßt; mat-bhaktaḥ — Mein Geweihter; etat — dies alles; vijñāya — nachdem er verstanden hat; mat-bhāvāya — zu Meiner Natur; upapadyate — gelangt.
Translation: 
Somit habe Ich das Tätigkeitsfeld [den Körper], das Wissen und den Gegenstand des Wissens zusammenfassend beschrieben. Nur Meine Geweihten können dies vollständig verstehen, und so erreichen sie Meine Natur.
Purport: 

ERLÄUTERUNG: Der Herr hat in einer Zusammenfassung den Körper, das Wissen und den Gegenstand des Wissens beschrieben. Dieses Wissen umfaßt drei Aspekte: denjenigen, der das Wissen hat, den Gegenstand des Wissens und den Vorgang, dieses Wissen zu erlangen. Zusammen nennt man sie vijñāna, die Wissenschaft des Wissens. Die unverfälschten Geweihten des Herrn können dieses vollkommene Wissen direkt verstehen. Andere sind dazu nicht imstande. Die Monisten sagen, daß diese drei Dinge letztlich eins werden, doch die Gottgeweihten stimmen dem nicht zu. Wissen und die Entwicklung von Wissen bedeuten, sich selbst durch Kṛṣṇa-Bewußtsein zu verstehen. Wir werden von materiellem Bewußtsein geleitet, doch sobald wir unser gesamtes Bewußtsein auf Kṛṣṇas Taten übertragen und erkennen, daß Kṛṣṇa alles ist, erreichen wir wirkliches Wissen. Mit anderen Worten, Wissen ist nichts anderes als die Vorstufe des vollkommenen Verständnisses von hingebungsvollem Dienst. Dies wird im Fünfzehnten Kapitel ausführlich erklärt.

Zusammenfassend kann man sagen, daß die Verse 6 und 7, angefangen mit den Worten mahā-bhūtāni bis cetanā dhṛtiḥ, eine Analyse der materiellen Elemente und gewisser Manifestationen von Lebensmerkmalen darstellen. Diese Faktoren bilden zusammen den Körper, das Tätigkeitsfeld. Die Verse 8 bis 12, von amānitvam bis tattva-jñānārtha- darśanam, beschreiben den Vorgang des Wissens, um die zwei verschiedenen Kenner des Tätigkeitsfeldes, nämlich die Seele und die Überseele, zu verstehen. Und die Verse 13 bis 18, von anādi mat-param bis hṛdi sarvasya viṣṭhitam, beschreiben die Seele und den Höchsten Herrn, die Überseele.

Somit wurden drei verschiedene Punkte beschrieben: das Tätigkeitsfeld (der Körper), der Vorgang der Erkenntnis wie auch die Seele und die Überseele. Im vorliegenden Vers wird nun speziell darauf hingewiesen, daß nur die unverfälschten Geweihten des Herrn diese drei Punkte richtig verstehen können. Für diese Gottgeweihten hat die Bhagavad-gītā vollen Nutzen, und es sind diese Gottgeweihten, die das höchste Ziel, die Natur Kṛṣṇas, des Höchsten Herrn, erreichen können. Mit anderen Worten, nur die Gottgeweihten, und niemand anders, sind in der Lage, die Bhagavad-gītā zu verstehen und das gewünschte Ergebnis zu erlangen.

Bg 13.20

prakṛtiṁ puruṣaṁ caiva
viddhy anādī ubhāv api
vikārāṁś ca guṇāṁś caiva
viddhi prakṛti-sambhavān
Synonyms: 
prakṛtim — materielle Natur; puruṣam — die Lebewesen; ca — auch; eva — gewiß; viddhi — du mußt wissen; anādī — ohne Anfang; ubhau — beide; api — auch; vikārān — Umwandlungen; ca — auch; guṇān — die drei Erscheinungsweisen der Natur; ca — auch; eva — gewiß; viddhi — wisse; prakṛti — materielle Natur; sambhavān — erzeugt von.
Translation: 
Man sollte verstehen, daß die materielle Natur und die Lebewesen anfanglos sind. Ihre Umwandlungen und die Erscheinungsweisen der Materie sind Produkte der materiellen Natur.
Purport: 

ERLÄUTERUNG: Durch das Wissen, das in diesem Kapitel erklärt wird, kann man den Körper (das Tätigkeitsfeld) und die Kenner des Körpers (die individuelle Seele und die Überseele) verstehen. Der Körper ist das Tätigkeitsfeld und besteht aus Elementen der materiellen Natur. Die individuelle Seele, die sich im Körper befindet und die Tätigkeiten des Körpers genießt, ist der puruṣa, das Lebewesen. Die individuelle Seele ist der eine Kenner des Körpers, und der andere ist die Überseele. Natürlich sind sowohl die Überseele wie auch das individuelle Lebewesen verschiedene Manifestationen Kṛṣṇas, der Höchsten Persönlichkeit Gottes. Das Lebewesen gehört zur Kategorie Seiner Energie, und die Überseele gehört zur Kategorie Seiner persönlichen Erweiterung.

Sowohl die materielle Natur als auch das Lebewesen sind ewig. Das bedeutet, daß sie bereits vor der Schöpfung existierten. Die materielle Manifestation entsteht aus der Energie des Höchsten Herrn, ebenso wie die Lebewesen, aber die Lebewesen gehören zur höheren Energie. Sowohl die Lebewesen als auch die materielle Natur existierten schon, bevor der Kosmos manifestiert wurde. Die materielle Natur ruhte in der Höchsten Persönlichkeit Gottes, Mahā-viṣṇu, und als es notwendig war, wurde sie durch das mahat-tattva manifestiert. Ebenso befinden sich auch die Lebewesen in Ihm, und weil sie bedingt sind, weigern sie sich, dem Höchsten Herrn zu dienen. Daher ist es ihnen nicht gestattet, in den spirituellen Himmel einzutreten. Aber wenn die materielle Natur wieder ins Dasein tritt, bekommen diese Lebewesen erneut eine Möglichkeit, in der materiellen Welt zu handeln und sich darauf vorzubereiten, in die spirituelle Welt zurückzukehren. Das ist das Mysterium der materiellen Schöpfung. Im Grunde ist das Lebewesen ursprünglich ein spirituelles Teilchen des Höchsten Herrn, doch wegen seiner rebellischen Haltung wird es der materiellen Natur unterworfen. Die Frage, wie diese Lebewesen als Teile der höheren Natur des Herrn mit der materiellen Natur in Verbindung kamen, ist nicht wichtig. Die Höchste Persönlichkeit Gottes jedoch weiß, wie und warum dies genau geschah. In den Schriften sagt der Herr, daß diejenigen, die sich zur materiellen Natur hingezogen fühlen, einen harten Kampf ums Dasein führen müssen. Aber im Licht der Beschreibung dieser Verse sollte man ohne Zweifel erkennen, daß alle Wandlungen und Einflüsse der materiellen Natur, die durch die drei Erscheinungsweisen hervorgerufen werden, ebenfalls Produkte der materiellen Natur sind. Alle Wandlungen und alle Unterschiede der Lebewesen beziehen sich auf den Körper. Was die spirituelle Natur betrifft, so sind die Lebewesen alle gleich.

Bg 13.21

kārya-kāraṇa-kartṛtve
hetuḥ prakṛtir ucyate
puruṣaḥ sukha-duḥkhānāṁ
bhoktṛtve hetur ucyate
Synonyms: 
kārya — der Wirkung; kāraṇa — und Ursache; kartṛtve — in bezug auf die Schöpfung; hetuḥ — Werkzeug; prakṛtiḥ — materielle Natur; ucyate — gilt als; puruṣaḥ — das Lebewesen; sukha — von Glück; duḥkhānām — und Leid; bhoktṛtve — in Genuß; hetuḥ — das Werkzeug; ucyate — gilt als.
Translation: 
Die Natur gilt als die Ursache aller materiellen Ursachen und Wirkungen, wohingegen das Lebewesen die Ursache der verschiedenen Leiden und Genüsse in dieser Welt ist.
Purport: 

ERLÄUTERUNG: Die verschiedenen Manifestationen von Körpern und Sinnen, die unter den Lebewesen zu finden sind, haben ihre Ursache in der materiellen Natur. Es gibt 8400000 verschiedene Lebensformen, und all diese verschiedenen Formen sind Schöpfungen der materiellen Natur. Sie entstehen entsprechend den verschiedenen sinnlichen Verlangen des Lebewesens, das so den Wunsch ausdrückt, in diesem oder jenem Körper zu leben. Wenn es in verschiedene Körper versetzt wird, genießt es verschiedene Formen von Glück und Leid. Das materielle Glück und Leid des Lebewesens ist auf den Körper zurückzuführen, nicht auf das Lebewesen an sich. In seinem ursprünglichen Zustand gibt es zweifellos Genuß; deshalb ist das sein wirklicher Zustand. Aufgrund seines Wunsches, die materielle Natur zu beherrschen, befindet es sich in der materiellen Welt, denn in der spirituellen Welt sind solche Wünsche nicht möglich. Die spirituelle Welt ist rein, doch in der materiellen Welt kämpft jeder hart, um für seinen Körper verschiedene Formen des Genusses zu bekommen. Um es deutlicher auszudrücken: Der Körper ist das Produkt der Sinne, und die Sinne sind Werkzeuge, mit denen das Lebewesen seine Wünsche befriedigt. Dies alles – sowohl der Körper als auch die Sinneswerkzeuge – werden dem Lebewesen von der materiellen Natur zur Verfügung gestellt, und wie der nächste Vers klarmacht, wird das Lebewesen je nach seinen vergangenen Wünschen und Tätigkeiten mit den entsprechenden Umständen gesegnet oder bestraft. Das Lebewesen wird seinen Wünschen und Tätigkeiten gemäß von der materiellen Natur in verschiedene Wohnstätten versetzt. Das Lebewesen selbst ist die Ursache, daß es solche Wohnstätten erlangt und die damit verbundenen Genüsse und Leiden erfährt. Einmal in einen bestimmten Körper versetzt, kommt es unter die Herrschaft der Natur, denn weil der Körper aus Materie besteht, bewegt er sich nach den Gesetzen der Natur. Zu diesem Zeitpunkt hat das Lebewesen nicht die Macht, dieses Gesetz zu ändern. Wenn ein Lebewesen zum Beispiel in den Körper eines Hundes versetzt wird, muß es sich wie ein Hund verhalten, sobald es einmal in diesem Körper ist. Es kann sich nicht anders verhalten. Und wenn das Lebewesen in den Körper eines Schweines versetzt wird, ist es gezwungen, Kot zu fressen und sich wie ein Schwein zu verhalten. Auch dann, wenn das Lebewesen in den Körper eines Halbgottes gesetzt wird, muß es in Entsprechung zu diesem Körper handeln. Das ist das Gesetz der Natur. Doch in jedem Lebensumstand ist die Überseele bei der individuellen Seele. Dies wird in den Veden (Muṇḍaka Upaniṣad 3.1.1) wie folgt erklärt: dvā suparṇā sayujā sakhāyaḥ. Der Höchste Herr ist dem Lebewesen gegenüber so gütig, daß Er die individuelle Seele immer begleitet und unter allen Umständen als Überseele, Paramātmā, gegenwärtig ist.

Bg 13.22

puruṣaḥ prakṛti-stho hi
bhuṅkte prakṛti-jān guṇān
kāraṇaṁ guṇa-saṅgo ’sya
sad-asad-yoni-janmasu
Synonyms: 
puruṣaḥ — das Lebewesen; prakṛti-sthaḥ — sich in der materiellen Energie befindend; hi — gewiß; bhuṅkte — genießt; prakṛti-jān — von der materiellen Natur erzeugt; guṇān — die Erscheinungsweisen der Natur; kāraṇam — die Ursache; guṇa-saṅgaḥ — die Gemeinschaft mit den Erscheinungsweisen der Natur; asya — des Lebewesens; sat-asat — in Gut und Schlecht; yoni — Lebensformen; janmasu — in Geburten.
Translation: 
So folgt das Lebewesen in der materiellen Natur den Wegen des Lebens und genießt die drei Erscheinungsweisen der Natur. Das ist auf seine Verbindung mit der materiellen Natur zurückzuführen. So trifft es mit Gut und Schlecht in den verschiedenen Lebensformen zusammen.
Purport: 

ERLÄUTERUNG: Dieser Vers ist sehr wichtig, um zu verstehen, wie das Lebewesen von einem Körper zum anderen wandert. Im Zweiten Kapitel wurde erklärt, daß das Lebewesen von einem Körper zum anderen wandert, genauso wie man Kleider wechselt. Dieses Wechseln der Kleidung ist auf die Anhaftung des Lebewesens an die materielle Existenz zurückzuführen. Solange es von dieser falschen Manifestation gefangen ist, muß es weiter von Körper zu Körper wandern. Nur aufgrund seines Wunsches, die materielle Natur zu beherrschen, wird es in solche nicht wünschenswerten Umstände versetzt. Unter dem Einfluß materieller Wünsche wird das Lebewesen manchmal als Halbgott, manchmal als Mensch, manchmal als Säugetier, als Vogel, als Wurm oder als Wasserlebewesen, manchmal als Heiliger und manchmal als Insekt geboren. Das ist das materielle Dasein. Und in allen Fällen hält sich das Lebewesen für den Herrn seiner Lebensumstände, obwohl es in Wirklichkeit dem Einfluß der materiellen Natur untersteht.

Der vorliegende Vers erklärt, wie das Lebewesen in diese verschiedenen Körper versetzt wird. Die Ursache liegt in der Verbindung mit den verschiedenen Erscheinungsweisen der Natur. Man muß sich daher über die drei materiellen Erscheinungsweisen erheben und die transzendentale Ebene erreichen. Das nennt man Kṛṣṇa-Bewußtsein. Solange das Lebewesen nicht sein Kṛṣṇa-Bewußtsein entwickelt, wird sein materielles Bewußtsein es zwingen, von einem Körper zum anderen zu wandern, denn es hat seit unvordenklichen Zeiten materielle Wünsche. Aber genau diese Wünsche muß es ändern. Ein solcher Wandel kann nur stattfinden, wenn man von autoritativen Quellen hört. Das beste Beispiel sehen wir hier: Arjuna hört von Kṛṣṇa die Wissenschaft von Gott. Wenn sich das Lebewesen diesem Vorgang des Hörens widmet, wird es seinen langgehegten Wunsch, über die materielle Natur zu herrschen, verlieren, und allmählich – in dem Maße, wie es sein altes Verlangen zu beherrschen aufgibt – wird es die Ebene erreichen, auf der es spirituelles Glück genießt. In einem vedischen mantra heißt es, daß man in dem Maße, wie man in Gemeinschaft mit der Höchsten Persönlichkeit Gottes zu Wissen gelangt, sein ewiges, glückseliges Leben zu kosten beginnt.

Bg 13.23

upadraṣṭānumantā ca
bhartā bhoktā maheśvaraḥ
paramātmeti cāpy ukto
dehe ’smin puruṣaḥ paraḥ
Synonyms: 
upadraṣṭā — Beobachter; anumantā — Erlaubnisgeber; ca — auch; bhartā — Meister; bhoktā — höchster Genießer; mahā-īśvaraḥ — der Höchste Herr; parama-ātmā — die Überseele; iti — auch; ca — und; api — in der Tat; uktaḥ — wird genannt; dehe — im Körper; asmin — dieser; puruṣaḥ — Genießer; paraḥ — transzendental.
Translation: 
Jedoch gibt es im Körper noch einen anderen, einen transzendentalen Genießer, und dies ist der Herr, der höchste Besitzer, der als Beobachter und Erlaubnisgeber gegenwärtig ist und der als Überseele bezeichnet wird.
Purport: 

ERLÄUTERUNG: Hier wird gesagt, daß die Überseele, die die individuelle Seele immer begleitet, eine Repräsentation des Höchsten Herrn ist. Die Überseele ist kein gewöhnliches Lebewesen. Weil die Monisten der Ansicht sind, der Kenner des Körpers sei eins, glauben sie, daß zwischen der Überseele und der individuellen Seele kein Unterschied bestehe. Um diesen Punkt zu klären, sagt der Herr, daß Er in Seiner Repräsentation als Paramātmā in allen Körpern gegenwärtig ist. Er ist von der individuellen Seele verschieden; Er ist para, transzendental. Die individuelle Seele genießt die Tätigkeiten eines bestimmten Feldes, aber die Überseele im Körper ist kein solcher begrenzter Genießer und nimmt auch nicht an den körperlichen Tätigkeiten teil, sondern ist der Zeuge, der Beobachter, der Erlaubnisgeber und der Höchste Genießer. Die Überseele heißt Paramātmā, nicht ātmā, und ist transzendental. Es ist also offensichtlich, daß der ātmā und der Paramātmā voneinander verschieden sind. Die Überseele, der Paramātmā, hat Beine und Hände, die sich überall befinden, was bei der individuellen Seele nicht der Fall ist. Und weil der Paramātmā der Höchste Herr ist, ist Er im Körper gegenwärtig, um die Wünsche der individuellen Seele nach materiellem Genuß zu sanktionieren. Ohne die Einwilligung der Höchsten Seele kann die individuelle Seele nichts tun. Das Individuum ist bhukta, derjenige, der erhalten wird, und der Herr ist bhoktā, der Erhalter. Es gibt unzählige Lebewesen, und Er ist in ihnen allen als Freund gegenwärtig.

Es ist eine Tatsache, daß das individuelle Lebewesen ewiglich ein Teil des Höchsten Herrn ist, und zwischen ihnen besteht eine sehr enge Beziehung der Freundschaft. Doch das Lebewesen neigt dazu, die Führung des Höchsten Herrn zurückzuweisen und unabhängig zu handeln, um zu versuchen, die materielle Natur zu beherrschen. Weil es diese Neigung hat, wird es als die marginale Energie des Höchsten Herrn bezeichnet. Das Lebewesen kann sich entweder in der materiellen oder in der spirituellen Energie aufhalten. Solange es durch die materielle Energie bedingt ist, bleibt der Höchste Herr als sein Freund, die Überseele, bei ihm, um es dazu zu bewegen, zur spirituellen Energie zurückzukehren. Der Herr ist immer bemüht, es zur spirituellen Energie zurückzuführen, doch aufgrund seiner winzigen Unabhängigkeit lehnt das individuelle Lebewesen es fortwährend ab, mit dem spirituellen Licht verbunden zu sein. Dieser Mißbrauch seiner Unabhängigkeit ist die Ursache seines materiellen Kampfes im bedingten Dasein. Der Herr gibt ihm daher von innen und von außen ständig Unterweisungen. Von außen gibt Er Unterweisungen, wie sie in der Bhagavad-gītā zu finden sind, und von innen versucht Er das Lebewesen davon zu überzeugen, daß seine Tätigkeiten im materiellen Feld nicht förderlich sind, um wahres Glück zu erlangen. „Gib diese Tätigkeiten einfach auf und wende dein Vertrauen Mir zu. Dann wirst du glücklich werden“, sagt Er. Auf diese Weise macht der intelligente Mensch, der sein Vertrauen in den Paramātmā oder die Höchste Persönlichkeit Gottes setzt, allmählich Fortschritt in Richtung eines glückseligen, ewigen Lebens voller Wissen.

Bg 13.24

ya evaṁ vetti puruṣaṁ
prakṛtiṁ ca guṇaiḥ saha
sarvathā vartamāno ’pi
na sa bhūyo ’bhijāyate
Synonyms: 
yaḥ — jeder, der; evam — so; vetti — versteht; puruṣam — das Lebewesen; prakṛtim — materielle Natur; ca — und; guṇaiḥ — die Erscheinungsweisen der materiellen Natur; saha — mit; sarvathā — in jeder Hinsicht; vartamānaḥ — sich befindend; api — obwohl; na — niemals; saḥ — er; bhūyaḥ — wieder; abhijāyate — wird geboren.
Translation: 
Wer diese Philosophie von der materiellen Natur, dem Lebewesen und der Wechselwirkung der Erscheinungsweisen der Natur versteht, wird mit Sicherheit Befreiung erlangen. Er wird, ungeachtet seiner jetzigen Stellung, nicht mehr in dieser Welt geboren werden.
Purport: 

ERLÄUTERUNG: Wenn man die materielle Natur, die Überseele, die individuelle Seele und ihre Wechselbeziehungen klar versteht, erwirbt man die Eignung, befreit zu werden und die spirituelle Sphäre zu erreichen, ohne gezwungen zu sein, zur materiellen Natur zurückzukehren. Dies ist das Ergebnis von Wissen. Der Zweck von Wissen besteht darin, sich bewußt zu werden, daß das Lebewesen durch Zufall in das materielle Dasein gefallen ist. Durch persönliche Bemühung in der Gemeinschaft von Autoritäten, Heiligen und einem spirituellen Meister muß das Lebewesen seine wahre Stellung erkennen und dann zu seinem spirituellen Bewußtsein, dem Kṛṣṇa-Bewußtsein, zurückkehren, indem es die Bhagavad-gītā so versteht, wie sie von der Persönlichkeit Gottes erklärt wird. Dann ist es sicher, daß es nie wieder in die materielle Existenz zurückkommen wird; es gelangt in die spirituelle Welt zu einem glückseligen, ewigen Leben voller Wissen.

Bg 13.25

dhyānenātmani paśyanti
kecid ātmānam ātmanā
anye sāṅkhyena yogena
karma-yogena cāpare
Synonyms: 
dhyānena — durch Meditation; ātmani — im Selbst; paśyanti — sehen; kecit — einige; ātmānam — die Überseele; ātmanā — durch den Geist; anye — andere; sānkhyena — der philosophischen Erörterung; yogena — durch das yoga-System; karma-yogena — durch Tätigkeiten ohne fruchtbringenden Wunsch; ca — auch; apare — andere.
Translation: 
Einige erkennen die Überseele in ihrem Innern durch Meditation, andere durch die Entwicklung von Wissen und wieder andere durch Tätigkeiten ohne fruchtbringende Wünsche.
Purport: 

ERLÄUTERUNG: Der Herr erklärt Arjuna, daß die bedingten Seelen in bezug auf ihre Suche nach Selbstverwirklichung in zwei Gruppen eingeteilt werden können. Die Atheisten, Agnostiker und Skeptiker haben keinen Sinn für spirituelles Verständnis. Doch es gibt andere, die ein gläubiges Verständnis vom spirituellen Leben haben, und zwar die introspektiven Gottgeweihten, die Philosophen und diejenigen, die den fruchttragenden Ergebnissen ihrer Arbeit entsagen. Die Verfechter der Lehre des Monismus werden ebenfalls zu den Atheisten und Agnostikern gezählt. Mit anderen Worten, nur die Geweihten der Höchsten Persönlichkeit Gottes befinden sich auf der höchsten Ebene spirituellen Verständnisses, denn sie haben erkannt, daß es jenseits der materiellen Natur eine spirituelle Welt und eine Höchste Persönlichkeit Gottes gibt und daß diese Höchste Persönlichkeit Gottes in Ihrer Erweiterung als Paramātmā, die Überseele in jedem, der alldurchdringende Gott ist. Natürlich gibt es auch Menschen, die versuchen, die Höchste Absolute Wahrheit durch die Entwicklung von Wissen zu verstehen, und sie können zur Gruppe der Gläubigen gezählt werden. Die sāṅkhya-Philosophen zerlegen in ihrer Analyse die materielle Welt in vierundzwanzig Elemente und fügen die Seele als fünfundzwanzigsten Faktor hinzu. Wenn sie zu dem Verständnis gelangen, daß die individuelle Seele von ihrer Natur her transzendental zu den materiellen Elementen ist, können sie auch verstehen, daß über der individuellen Seele die Höchste Persönlichkeit Gottes steht. Sie ist das sechsundzwanzigste Element. So gelangen auch sie allmählich auf die Stufe des hingebungsvollen Dienstes im Kṛṣṇa-Bewußtsein. Und diejenigen, die den Früchten ihrer Tätigkeiten entsagen, sind in ihrer Haltung ebenfalls vollkommen. Sie haben die Möglichkeit, sich auf die Ebene des hingebungsvollen Dienstes im Kṛṣṇa-Bewußtsein zu erheben. In diesem Vers heißt es, daß es Menschen gibt, die im Bewußtsein rein sind und versuchen, die Überseele durch Meditation zu finden. Wenn sie die Überseele in ihrem Innern entdecken, erreichen auch sie die transzendentale Ebene. Ebenso gibt es andere, die versuchen, durch die Entwicklung von Wissen zu einem Verständnis der Höchsten Seele zu gelangen, und wieder andere üben sich im haṭha-yoga-System und versuchen, die Höchste Persönlichkeit Gottes durch kindische Übungen zu erfreuen.

Bg 13.26

anye tv evam ajānantaḥ
śrutvānyebhya upāsate
te ’pi cātitaranty eva
mṛtyuṁ śruti-parāyaṇāḥ
Synonyms: 
anye — andere; tu — aber; evam — auf diese Weise; ajānantaḥ — ohne spirituelles Wissen; śrutvā — durch Hören; anyebhyaḥ — von anderen; upāsate — beginnen zu verehren; te — sie; api — auch; ca — und; atitaranti — überwinden; eva — gewiß; mṛtyum — den Pfad des Todes; śruti-parāyaṇāḥ — dem Vorgang des Hörens zugeneigt.
Translation: 
Und es gibt andere, die zwar im spirituellen Wissen nicht bewandert sind, die aber beginnen, die Höchste Person zu verehren, nachdem sie von anderen über Sie gehört haben. Weil sie die Neigung haben, von Autoritäten zu hören, überwinden auch sie den Pfad von Geburt und Tod.
Purport: 

ERLÄUTERUNG: Dieser Vers läßt sich besonders auf die moderne Gesellschaft anwenden, denn heutzutage gibt es so gut wie keine spirituelle Bildung. Manche Menschen mögen sich als Atheisten, Agnostiker oder Philosophen ausgeben, doch in Wirklichkeit hat niemand echtes Wissen über Philosophie. Was den gewöhnlichen Menschen betrifft, so besteht für ihn, wenn er eine rechtschaffene Seele ist, die Möglichkeit, durch Hören Fortschritt zu machen. Der Vorgang des Hörens ist sehr wichtig. Śrī Caitanya, der Kṛṣṇa-Bewußtsein in der modernen Welt predigte, legte auf den Vorgang des Hörens großen Nachdruck, denn der gewöhnliche Mensch kann einfach dadurch, daß er von autoritativen Quellen hört, Fortschritt machen, besonders wenn er, wie Śrī Caitanya sagt, die transzendentale Klangschwingung Hare Kṛṣṇa, Hare Kṛṣṇa, Kṛṣṇa Kṛṣṇa, Hare Hare/ Hare Rāma, Hare Rāma, Rāma Rāma, Hare Hare hört. Es wird daher gesagt, daß alle Menschen die Gelegenheit nutzen sollten, von selbstverwirklichten Seelen zu hören, um so allmählich fähig zu werden, alles zu verstehen. Dann werden sie zweifellos beginnen, den Höchsten Herrn zu verehren. Śrī Caitanya sagt, daß im gegenwärtigen Zeitalter niemand seine Stellung zu wechseln braucht, daß man aber den Versuch aufgeben soll, die Absolute Wahrheit durch spekulatives Philosophieren zu verstehen. Man sollte es lernen, der Diener derer zu werden, die Wissen über den Höchsten Herrn haben. Wenn man das Glück hat, bei einem reinen Gottgeweihten Zuflucht zu finden, von ihm über Selbstverwirklichung zu hören und seinem Beispiel zu folgen, wird man allmählich zur Stufe eines reinen Gottgeweihten erhoben. Besonders in diesem Vers wird der Vorgang des Hörens mit Nachdruck empfohlen, und das aus gutem Grund; denn obwohl der gewöhnliche Mensch oft nicht so begabt ist wie die sogenannten Philosophen, wird ihm das vertrauensvolle Hören von einer echten Autorität helfen, die materielle Existenz zu transzendieren und nach Hause, zu Gott, zurückzukehren.

Bg 13.27

yāvat sañjāyate kiñcit
sattvaṁ sthāvara-jaṅgamam
kṣetra-kṣetrajña-saṁyogāt
tad viddhi bharatarṣabha
Synonyms: 
yāvat — was auch immer; sañjāyate — entsteht; kiñcit — irgend etwas; sattvam — Existenz; sthāvara — sich nicht bewegend; jaṅgamam — sich bewegend; kṣetra — des Körpers; kṣetra-jña — und des Kenners des Körpers; saṁyogāt — durch die Verbindung zwischen; tat viddhi — du mußt es wissen; bharata-ṛṣabha — o Oberhaupt der Bhāratas.
Translation: 
O Oberhaupt der Bhāratas, wisse, daß alles, was du existieren siehst, nur die Verbindung des Tätigkeitsfeldes mit dem Kenner des Feldes ist, ob beweglich oder unbeweglich.
Purport: 

ERLÄUTERUNG: In diesem Vers werden sowohl die materielle Natur als auch das Lebewesen erklärt, die beide bereits vor der Schöpfung des Kosmos existierten. Alles Erschaffene ist nur die Verbindung des Lebewesens mit der materiellen Natur. Es gibt viele unbewegliche Schöpfungen, wie Bäume, Berge und Hügel, und es gibt viele Lebensformen, die sich bewegen; aber sie alle sind nichts anderes als Verbindungen der materiellen Natur mit der höheren Natur, dem Lebewesen. Ohne mit der höheren Natur, dem Lebewesen, in Berührung zu sein, kann nichts wachsen. Die Beziehung zwischen materieller Natur und spiritueller Natur besteht ewig, und diese Verbindung wird vom Höchsten Herrn bewirkt. Deshalb ist Er der Beherrscher der höheren wie auch der niederen Natur. Die materielle Natur wird von Ihm erschaffen, und die höhere Natur wird in die materielle Natur hineingesetzt, wodurch alle Tätigkeiten und Manifestationen zustande kommen.

Bg 13.28

samaṁ sarveṣu bhūteṣu
tiṣṭhantaṁ parameśvaram
vinaśyatsv avinaśyantaṁ
yaḥ paśyati sa paśyati
Synonyms: 
samam — gleich; sarveṣu — in allen; bhūteṣu — Lebewesen; tiṣṭhantam — wohnend; parama-īśvaram — die Überseele; vinaśyatsu — im Zerstörbaren; avinaśyantam — nicht zerstört; yaḥ — jeder, der; paśyati — sieht; saḥ — er; paśyati — sieht wirklich.
Translation: 
Wer sieht, daß die Überseele die individuelle Seele in allen Körpern begleitet, und versteht, daß weder die Seele noch die Überseele im zerstörbaren Körper jemals zerstört werden, sieht wirklich.
Purport: 

ERLÄUTERUNG: Jeder, der dank guter Gemeinschaft drei Dinge und ihre gegenseitige Beziehung erkennen kann – den Körper, den Besitzer des Körpers (die individuelle Seele) und den Freund der individuellen Seele –, gründet tatsächlich in Wissen. Nur wenn man mit jemandem, der ein wahrer Kenner spiritueller Themen ist, Gemeinschaft hat, ist man in der Lage, diese drei Dinge zu sehen. Diejenigen, die keine solche Gemeinschaft haben, sind unwissend; sie sehen nur den Körper, und sie denken, wenn der Körper zerstört werde, sei alles zu Ende. Aber in Wirklichkeit ist dies nicht der Fall. Nach der Zerstörung des Körpers existieren sowohl die Seele als auch die Überseele weiter, ja sie existieren ewig in den verschiedensten beweglichen und unbeweglichen Körpern. Das Sanskritwort parameśvara wird manchmal mit „individuelle Seele“ übersetzt, denn die Seele ist der Herr des Körpers und wandert nach dessen Zerstörung in eine andere Form. In diesem Sinne ist sie Herr. Andere übersetzen parameśvara mit „Überseele“. Beides ist richtig, da sowohl die individuelle Seele als auch die Überseele weiter existieren. Sie werden niemals zerstört. Wer diese Sicht hat, sieht die Dinge so, wie sie sind.

Bg 13.29

samaṁ paśyan hi sarvatra
samavasthitam īśvaram
na hinasty ātmanātmānaṁ
tato yāti parāṁ gatim
Synonyms: 
samam — gleich; paśyan — sehend; hi — gewiß; sarvatra — überall; samavasthitam — gleich befindlich; īśvaram — die Überseele; na — nicht; hinasti — erniedrigt sich; ātmanā — durch den Geist; ātmānam — die Seele; tataḥ — dann; yāti — erreicht; parām — das transzendentale; gatim — Ziel.
Translation: 
Jemand, der sieht, daß die Überseele überall, in allen Lebewesen, in gleichem Maße gegenwärtig ist, erniedrigt sich nicht durch seinen Geist. So nähert er sich dem transzendentalen Ziel.
Purport: 

ERLÄUTERUNG: Dadurch, daß das Lebewesen sein materielles Dasein annahm, ist es in Bedingungen geraten, die sich von seinem spirituellen Dasein unterscheiden. Aber wenn man erkennt, daß der Höchste in Seiner Paramātmā-Manifestation überall gegenwärtig ist, das heißt, wenn man die Gegenwart der Höchsten Persönlichkeit Gottes in jedem Lebewesen sieht, erniedrigt man sich nicht durch eine zerstörerische Geisteshaltung, und so schreitet man auf dem Pfad zur spirituellen Welt allmählich voran. Für gewöhnlich haftet der Geist an Vorstellungen der Sinnenbefriedigung, doch wenn sich der Geist der Überseele zuwendet, macht man Fortschritt im spirituellen Verständnis.

Bg 13.30

prakṛtyaiva ca karmāṇi
kriyamāṇāni sarvaśaḥ
yaḥ paśyati tathātmānam
akartāraṁ sa paśyati
Synonyms: 
prakṛtyā — durch die materielle Natur; eva — gewiß; ca — auch; karmāṇi — Tätigkeiten; kriyamāṇāni — werden ausgeführt; sarvaśaḥ — in jeder Hinsicht; yaḥ — jeder, der; paśyati — sieht; tathā — auch; ātmānam — sich selbst; akartāram — der Nichthandelnde; saḥ — er; paśyati — sieht vollkommen.
Translation: 
Wer sieht, daß alle Tätigkeiten vom Körper ausgeführt werden, der von der materiellen Natur geschaffen wurde, und sieht, daß er selbst nichts tut, sieht wirklich.
Purport: 

ERLÄUTERUNG: Der Körper wird von der materiellen Natur unter der Anweisung der Überseele geschaffen, und alle Tätigkeiten in Beziehung zum Körper haben nichts mit dem Selbst zu tun. Alles, was man tut, sei es zum eigenen Glück oder zum eigenen Leid, wird einem von der Natur des Körpers aufgezwungen. Das Selbst jedoch steht außerhalb all dieser körperlichen Tätigkeiten. Das Lebewesen erhält seinen Körper gemäß seinen früheren Wünschen, und in diesem Körper handelt es, um sich seine Wünsche zu erfüllen. Der Körper ist sozusagen eine Maschine, die vom Höchsten Herrn entworfen wurde, um die Wünsche des Lebewesens zu erfüllen. Aufgrund der eigenen Wünsche wird man in schwierige Umstände versetzt, um zu leiden oder zu genießen. Wenn man dieses transzendentale Verständnis vom Lebewesen entwickelt, löst man sich von körperlichen Tätigkeiten. Wer eine solche Sicht hat, sieht wirklich.

Bg 13.31

yadā bhūta-pṛthag-bhāvam
eka-stham anupaśyati
tata eva ca vistāraṁ
brahma sampadyate tadā
Synonyms: 
yadā — wenn; bhūta — der Lebewesen; pṛthak-bhāvam — getrennte Identität; eka-stham — in einem befindlich; anupaśyati — man versucht, durch Autorität zu sehen; tataḥ eva — danach; ca — auch; vistāram — die Erweiterung; brahma — das Absolute; sampadyate — er erlangt; tadā — zu dieser Zeit.
Translation: 
Wenn ein einsichtiger Mensch aufhört, aufgrund verschiedener materieller Körper Unterschiede zu machen, und sieht, wie die Lebewesen überall gegenwärtig sind, erlangt er die Sicht des Brahman.
Purport: 

ERLÄUTERUNG: Wenn man erkennt, daß die verschiedenen Körper aus den verschiedenen Wünschen der individuellen Seele entstehen und in Wirklichkeit nicht zur Seele gehören, sieht man die Dinge im richtigen Licht. In der materiellen Lebensauffassung sieht man jemanden als Halbgott, als Menschen, als Hund, als Katze usw. Das ist materielle Sicht, nicht wirkliche Sicht. Dieses materielle Unterscheiden hat seine Ursache in einer materiellen Auffassung vom Leben. Nach der Zerstörung des materiellen Körpers ist die spirituelle Seele eins. Nur aufgrund ihres Kontaktes mit der materiellen Natur nimmt sie verschiedene Arten von Körpern an. Wenn man dies verstehen kann, erlangt man spirituelle Sicht, und wenn man auf diese Weise von Unterscheidungen wie Mensch und Tier, groß und klein usw. frei geworden ist, wird man in seinem Bewußtsein gereinigt und kann in seiner spirituellen Identität Kṛṣṇa- Bewußtsein entwickeln. Welche Sicht man auf dieser Stufe hat, wird im nächsten Vers erklärt.

Bg 13.32

anāditvān nirguṇatvāt
paramātmāyam avyayaḥ
śarīra-stho ’pi kaunteya
na karoti na lipyate
Synonyms: 
anāditvāt — da ewig; nirguṇatvāt — da transzendental; parama — jenseits der materiellen Natur; ātmā — spirituelle Seele; ayam — diese; avyayaḥ — unerschöpflich; śarīra-sthaḥ — im Körper weilend; api — obwohl; kaunteya — o Sohn Kuntīs; na karoti — tut niemals etwas; na lipyate — und ist nicht verstrickt.
Translation: 
Diejenigen mit der Sicht der Ewigkeit sehen, daß die unvergängliche Seele transzendental und ewig ist und sich jenseits der Erscheinungsweisen der Natur befindet. Trotz ihres Kontaktes mit dem materiellen Körper, o Arjuna, tut die Seele nichts und ist auch nicht verstrickt.
Purport: 

ERLÄUTERUNG: Das Lebewesen scheint aufgrund der Geburt des materiellen Körpers geboren zu werden, doch in Wirklichkeit ist es ewig. Es wird nicht geboren, und obwohl es sich in einem materiellen Körper befindet, ist es transzendental und ewig. Deshalb kann es nicht zerstört werden. Es ist von Natur aus voller Glückseligkeit. Das Lebewesen selbst führt keine materiellen Tätigkeiten aus, und deshalb wird es von den Tätigkeiten, die aufgrund seines Kontaktes mit materiellen Körpern ausgeführt werden, nicht verstrickt.

Bg 13.33

yathā sarva-gataṁ saukṣmyād
ākāśaṁ nopalipyate
sarvatrāvasthito dehe
tathātmā nopalipyate
Synonyms: 
yathā — wie; sarva-gatam — alldurchdringend; saukṣmyāt — da feinstofflich; ākāśam — der Himmel; na — niemals; upalipyate — vermischt sich; sarvatra — überall; avasthitaḥ — sich befindend; dehe — im Körper; tathā — so; ātmā — das Selbst; na — niemals; upalipyate — vermischt sich.
Translation: 
Aufgrund seiner feinstofflichen Natur vermischt sich der Himmel mit keinem anderen Element, obwohl er alldurchdringend ist. In ähnlicher Weise vermischt sich die Seele, die in der Sicht des Brahman verankert ist, nicht mit dem Körper, obwohl sie sich im Körper befindet.
Purport: 

ERLÄUTERUNG: Die Luft durchdringt alles: Wasser, Schlamm, Kot usw., aber dennoch vermischt sie sich mit nichts. In ähnlicher Weise befindet sich das Lebewesen in verschiedensten Körpern, aber aufgrund seiner feinen Natur steht es über ihnen. Deshalb ist es unmöglich, mit materiellen Augen zu sehen, wie das Lebewesen mit dem Körper in Kontakt ist und wie es sich nach der Zerstörung des Körpers aus ihm entfernt. Niemand in der Wissenschaft kann dies ermitteln.

Bg 13.34

yathā prakāśayaty ekaḥ
kṛtsnaṁ lokam imaṁ raviḥ
kṣetraṁ kṣetrī tathā kṛtsnaṁ
prakāśayati bhārata
Synonyms: 
yathā — wie; prakāśayati — erleuchtet; ekaḥ — eins; kṛtsnam — das ganze; lokam — Universum; imam — diese; raviḥ — Sonne; kṣetram — der Körper; kṣetrī — die Seele; tathā — ebenso; kṛtsnam — alle; prakāśayati — erleuchtet; bhārata — o Nachkomme Bharatas.
Translation: 
O Nachkomme Bharatas, so wie die Sonne allein das ganze Universum erleuchtet, so erleuchtet das eine Lebewesen im Körper den gesamten Körper mit Bewußtsein.
Purport: 

ERLÄUTERUNG: Über das Bewußtsein gibt es verschiedene Theorien. Hier in der Bhagavad-gītā wird das Beispiel von der Sonne und dem Sonnenschein gegeben. So wie die Sonne an einem Ort steht und trotzdem das ganze Universum erleuchtet, so befindet sich der eine kleine spirituelle Funke, die Seele, im Herzen des Körpers, aber erleuchtet den gesamten Körper mit Bewußtsein. Somit ist Bewußtsein der Beweis für das Vorhandensein der Seele, ebenso wie der Sonnenschein und das Licht der Beweis für die Gegenwart der Sonne sind. Wenn die Seele im Körper gegenwärtig ist, ist das Bewußtsein über den gesamten Körper verbreitet, doch sobald die Seele den Körper verläßt, gibt es kein Bewußtsein mehr. Jeder intelligente Mensch kann dies ohne weiteres verstehen. Daher ist Bewußtsein kein Produkt materieller Verbindungen. Es ist das Symptom des Lebewesens. Obwohl das Bewußtsein des Lebewesens eigenschaftsmäßig mit dem höchsten Bewußtsein eins ist, ist es nicht von höchster Natur, da das Bewußtsein eines bestimmten Körpers nicht am Bewußtsein eines anderen Körpers teilhat. Die Überseele aber, die in allen Körpern als Freund der individuellen Seele weilt, ist Sich aller Körper bewußt. Das ist der Unterschied zwischen dem höchsten Bewußtsein und dem individuellen Bewußtsein.

Bg 13.35

kṣetra-kṣetrajñayor evam
antaraṁ jñāna-cakṣuṣā
bhūta-prakṛti-mokṣaṁ ca
ye vidur yānti te param
Synonyms: 
kṣetra — des Körpers; kṣetra-jñayoḥ — des Besitzers des Körpers; evam — somit; antaram — der Unterschied; jñāna-cakṣuṣā — durch die Sicht des Wissens; bhūta — des Lebewesens; prakṛti — von der materiellen Natur; mokṣam — die Befreiung; ca — auch; ye — diejenigen, die; viduḥ — wissen; yānti — nähern sich; te — sie; param — dem Höchsten.
Translation: 
Diejenigen, die mit den Augen des Wissens den Unterschied zwischen dem Körper und dem Kenner des Körpers sehen und auch den Vorgang der Befreiung aus der Knechtschaft der materiellen Natur verstehen, erreichen das höchste Ziel.
Purport: 

ERLÄUTERUNG: Das Dreizehnte Kapitel besagt, daß man den Unterschied zwischen dem Körper, dem Besitzer des Körpers und der Überseele verstehen sollte. Auch sollte man den Vorgang der Befreiung, wie er in den Versen 8 bis 12 beschrieben wurde, annehmen. Dann kann man sich auf das höchste Ziel zubewegen.

Ein gläubiger Mensch sollte zunächst gute Gemeinschaft finden, um von Gott zu hören und so allmählich erleuchtet zu werden. Wenn man einen spirituellen Meister annimmt, kann man lernen, zwischen Materie und spiritueller Natur zu unterscheiden, und dies ist das Sprungbrett zu weiterer spiritueller Verwirklichung. Ein spiritueller Meister lehrt seine Schüler durch verschiedenste Anweisungen, von der materiellen Lebensauffassung frei zu werden. So sehen wir zum Beispiel in der Bhagavad-gītā, wie Kṛṣṇa Arjuna unterweist, um ihn von materialistischen Überlegungen zu befreien.

Man kann verstehen, daß der Körper Materie ist; man kann ihn auf der Grundlage der vierundzwanzig Elemente, aus denen er besteht, analysieren. Der Körper stellt die grobstoffliche Manifestation dar und der Geist und die psychischen Vorgänge die feinstoffliche. Die Lebenssymptome sind nichts anderes als die Wechselwirkung dieser verschiedenen Faktoren. Aber über alledem steht die Seele und darüber die Überseele. Die Seele und die Überseele sind voneinander verschieden. Die gesamte materielle Welt bewegt sich aufgrund der Verbindung der Seele mit den vierundzwanzig materiellen Elementen. Jemand, der versteht, daß sich die gesamte materielle Manifestation aus der Verbindung der Seele mit den materiellen Elementen zusammensetzt, und auch die Stellung der Höchsten Seele versteht, qualifiziert sich, in die spirituelle Welt erhoben zu werden. Diese Themen müssen durchdacht und verwirklicht werden, und daher sollte man dieses Kapitel mit der Hilfe des spirituellen Meisters genau verstehen.

Hiermit enden die Bhaktivedanta-Erläuterungen zum Dreizehnten Kapitel der Śrīmad Bhagavad-gītā mit dem Titel: „Natur, Genießer und Bewußtsein“.